Samstag, 22. Oktober 2016

Honig, pures Glück



Hast Du genascht?“ Das Honigglas steht auf dem Tisch vor mir, es ist offen, der Deckel liegt auf dem Tisch. Der Finger, der eben noch süß im Mund war, ist blitzschnell verborgen in der anderen Hand. Ich bin gelähmt, erstarrt. Die Sonne, das Licht, die Bienen, der Garten draußen mit all den Blumen und den Düften, die klangvolle Sommerwelt: aus. Eine dunkle Wolke dringt von der Stimme hinter mir in die Küche.

Ich seh doch, dass Du genascht hast!“ Ich will all das schützen, bewahren, bergen. All das, was gut, heilig, schön, prächtig, liebevoll ist. Den Honig im Glas, die zigtausend Bienen, die mir ihr Geschenk gemacht haben, die Freude, die vom Mund aus in mich hineinzieht, der erfüllte Wunsch, die Verheißung: Du kannst glücklich sein. Honig, pures Glück.

Nein.“ Ich will mir das nicht entreißen lassen, wegstehlen lassen, schlechtreden lassen. Ich bin im Rosenland unterwegs, im Honigland, im Lichtland. Diese verhexende Dunkelheit in meinem Rücken, ich spür ja, wie sie stärker wird, der Schicksalstornado rast heran. Ich kenne das ja, ich werde mitgerissen werden, zerschellt irgendwo stranden, zerschlagen, gedemütigt, herabgesetzt, vertrieben.

Zeig her!“ Die Finger der Bergehand werden aufgestemmt, der Honigfinger triumphierend hochgerissen, Beweis meiner Unartigkeit, Türöffner für die folgende Seelenfingerei. Grenzüberschreitung, Willkür, Gehirnwäsche. Ich bin chancenlos, ich bin ausgeliefert, mein Herz, meine Seele, meine Liebe: beiseite gestoßen, Pech und Schwefel über mich.

                                                ***

Hast Du genascht?“ Ich bin erschrocken, fahre hoch... und weiß mich doch geborgen. Klar habe ich genascht, wie die Großen das nennen. Ich bin dem Honig gefolgt, der Einladung der Bienen, des Lichts und des Lebens, des Sommers und der Blumen. Er steht uns Kindern zu, dieser Honig, ein Finger voll, viele Finger, das ganze Glas. Die Wucht der Richtigkeit meines Seins und die Wahrheit des Honigs tragen mich. Die Stimme hinter mir schwingt ein, sie ist so süß wie der Honig im Glas.

Willst Du auch?“ Schnelle Schritte, Einverständnis der Herzen, leuchtende Augen, wir lachen, und es tut gut. So viel Friede, so viel Freude. So viel Vertrauen, so viel In-die-Seele-Sehen. Ja, wir sind auch verschmitzt. Wir wissen schon, was die Großen davon halten. Aber sie sind fern, wir sind geschützt durch die Macht des Honigs und durch unseren Glauben an uns selbst. Wir schließen das Glas, klettern durchs Fenster und laufen in unser Glück.


Kommentare:

  1. JA ... ich will ... will auch ... DAS ... :-) christa

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  2. Zitat:
    "Ich bin dem Honig gefolgt, der Einladung der Bienen, des Lichts und des Lebens, des Sommers und der Blumen. Er steht uns Kindern zu, dieser Honig, ein Finger voll, viele Finger, das ganze Glas. Die Wucht der Richtigkeit meines Seins und die Wahrheit des Honigs tragen mich."

    Hmm, Hubertus, dass die Bienen dich eingeladen haben, ihre mühsam hergestellte Babybienen-Nahrung zu vernaschen, bezweifle ich mal ganz doll! *beidehändeinmeinehüftenstemm*

    Also mich trug die überaus klebrige Wahrheit des Honigs damals bestenfalls sofort ins Badezimmer zum Wasserkran, um meine klebrigen Finger abzuwaschen.
    Denn klebrige Finger sollten damals (und sollen aktuell) nicht die Wucht der Richtigkeit meines Seins sein. *kopfnick*
    LG HaJo51

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  3. Hi(gh) ha jo
    deine " aber s " zum honig kann ich gut nachvollziehen … ich erleb mich beim honigschlecken meistens anders …
    wie wär s wenn ich dir ein glas selbstgemachte aprikosenmarmelade … meine lieblingssorte … anbiete … aus natürlichem anbau … reif vom baum gepflückt … oder/und so wie frisch wie möglich vom boden in den topf gebracht … ohne zusätzliche zuckerbeigabe also die natürliche süsse der früchte genug sein lassend … ???
    es ist mir eine freude dir SO ein glas zu schenken … wirklich wirklich !!! …
    und auch als metapher anzubieten … wenn du dich drauf einlassen willst ?
    willst du ?
    es geht doch um die SÜSSE des lebens … so wie ich hubi verstanden habe …
    köstliche marillenmarmelade aus der wachau ? .. ein sich annähern über eine andere metapher ? … beides ? … keines von beiden ? … oder was ganz anderes ?
    z.b. dass ich deine posts nicht mehr kommentiere ? sondern sie so sein und wirken lasse wie sie sind ohne meinen „ senf dazuzugeben „ .. wie wir in wien sagen … ???
    schade dass ich dir nicht in die augen sehen kann dann wäre mir sofort klar was für uns beide stimmt …
    is nicht ... also … schau ma moi ;-)... ob total ... oder haarscharf daneben ... oder ... ???
    alles liebe
    christa

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    1. Zitat:
      "schade dass ich dir nicht in die augen sehen kann dann wäre mir sofort klar was für uns beide stimmt …"

      Servus, christa!
      Bin gerade sehr in Eile, deshalb jetzt nur dies:
      Es genügt, wenn du nur danach schaust, was FÜR DICH stimmt.
      Denn um das, das für mich stimmt, kümmere ich mich selbst.
      LG HaJo51

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    2. So, christa, jetzt habe ich wieder Zeit, mir hier mein Leben zu versüßen.

      Zitat:
      " es ist mir eine freude dir SO ein glas zu schenken … wirklich wirklich !!! …
      und auch als metapher anzubieten … wenn du dich drauf einlassen willst ?
      willst du ? "
      Nun, ich will mich dann mal nur auf deine "Selbstgemachte Marmelade"-Metapher einlassen.
      Ein so wertvolles (weil mit viel Aufwand in Handarbeit hergestellt und per hohe Transportkosten verschicktes) echtes Glas Aprikosenmarmelade vermag es wohl eher nicht zu schaffen, mein Leben damit als süß zu empfinden.

      Zitat:
      "es geht doch um die SÜSSE des lebens … so wie ich hubi verstanden habe …"
      Nun denn, wenn der genaschte Honig nur eine Metapher für die "Lebens-Süße eines jungen Menschens" ist, dann habe ich Hubertus' Blog-Beitrag wohl fehlinterpretiert.
      LG HaJo51

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    3. hi ha jo ...
      zitat : ... Ein so wertvolles (weil mit viel Aufwand in Handarbeit hergestellt und per hohe Transportkosten verschicktes) echtes Glas Aprikosenmarmelade vermag es wohl eher nicht zu schaffen, mein Leben damit als süß zu empfinden. ...

      ich riskier s gerne wenn du mich deine adresse wissen lässt !

      gutnacht für heute

      AL X-TA

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    4. Hallo, christa!

      Ich möchte KEIN Glas Marmelade von dir bekommen!
      HaJo51

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    5. hi ha jo

      ok ;-)

      alles liebe

      christa

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  4. hi ha jo ... "erbsenklauben - wollen " ist wieder angesprungen ... doch ich lasse es sein ... weil s für mich stimmt und ... ;-)... AL x-ta

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  5. Hallo, Hubertus!

    Seit gestern Nachmittag ist dein ursprünglicher Blog-Beitragtext hier nicht mehr vorhanden.
    Zumindest bei den von mir genutzten Webbrowsern (Firefox und IE) wird mir hier der Text vom vorherigen Blog-Beitrag "Lieber Thomas Gordon" angezeigt.
    LG HaJo51

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    1. bei mir auch ... keine honigseite mehr ... :-(

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    2. Die Honigseite ist und bleibt eingestellt. Ich hab sie als konkrete Kindersituation geschrieben, zum Mitkommen ins Kinderland: Komm, mach mit!

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    3. ich hab gemeint dass der " gordontext " bei der " honig pures glück " am pc aufscheint aufscheint wenn ich die honigseite aufrufe ... ????? wie bei ho jo ...

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