Montag, 25. September 2023

Tagesbilder

 

 

Im Rückblick auf zwei Monate Sommerzeit habe ich zig große und kleine Begebenheiten vor Augen. Es ist ein feines Gewebe voller Bilder. Dies alles fließt in der Rückschau dahin wie ein großer Strom. Ich kann überall anhalten und mich an dies und das ranzoomen, an alles, was da in meiner gelebten Zeit so kreuchte und fleuchte. Die Vergangenheit ist ein weites Land hinter einem großen Tor, dem Jetzt-Tor.

Gehört das alles mir? Gehört das alles zu mir? Macht mich meine Vergangenheit aus? In wie viel Resonanz bin ich mit meiner Vergangenheit? Wer bestimmt hier die Auswahl und das Maß der Erinnerung? Bin ich das selbst oder gibt es da etwas, das mir die Bilder und Szenen vorlegt? Wie viel Selbstbestimmung habe ich im Umgang mit der Vergangenheit?

Na ja, ich muss mir solche Fragen nicht stellen. Ich kann all das, was geschehen ist, auch einfach geschehen sein lassen, sich in mir ausbreiten oder wegbreiten lassen, mal hier etwas merken, mal dort etwas nicht merken. Einfach fließen lassen, so wie es kommt. "Passt schon" sagen zum Vergangenheitswirbel in mir.

Beim Schreiben eines Posts, also jetzt, suche ich mir aus der riesigen Vielfalt meiner Erlebnisse irgendetwas heraus, über das ich schreiben will. Ich konzentriere mich und habe dann dieses oder jenes im Blick, hole es heran, drehe und wende es, und lass meine Gedanken drumrumlaufen. Und das, was dann da so läuft, tippe ich in die Tastatur und es wird der neue Post.

Die Geschehnisse des heutigen Tages: viel, sehr viel. Wie immer, jeder Tag hat ja seine 24 Stunden, zwei Drittel davon bin ich wach und ströme wach so in der Zeit dahin. Wo will ich anhalten – was spricht mich in der Rückschau an? So an, dass ich es als Einstieg für meine Zeilen nehmen kann? So dass sich daraus ein Thema ergibt, irgendwie mit Amicationsgedanken verspinnbar?

Von den tausend Heutebildern will ich aber keins für ein Nachsinnen nehmen. Ich sinne ja gern nach und ich sinne gut nach. Aber heute: da lasse ich die Zeitbilder nur kommen und bespinne sie nicht. Aber ich will bei einigen anhalten, sie zeigen, mitteilen, was mir meine Lebenszeit heute so geboten hat:

* Die Müslidose: alles fertiggemacht für den Tag, Apfel, Nüsse, Vollkornflocken – sieht gut aus. * Die Baustelle im Weg auf der Anfahrt zur Autobahn – halt einen Umweg fahren, nervt mich nicht. * Geburtstagsgeschenke von einer Freundin bekommen zum Weitergeben an drei Geburtstagskinder – ihr freudiger Blick auf die kommende Freude der Beschenkten. * Heute Kinderbetreuen, zwei Stunden Anfahrt – mach ich doch gern. *Als ich ankomme, sind die beiden Enkelkinder dabei, Zimtschnecken zu backen – auch hier ist Freude, sie backen ernsthaft und mit Freude. * Autofahrt in die Sonne zur Pizzeria mit den beiden Kindern an Bord – ein schöner Nachmittag beginnt. * Sie wollen auf einmal jetzt gar nichts essen, na gut, aber ich nehme einen Salat – wie unkompliziert wir das hinbekommen. * Salatfuttern auf dem umgefallenen Baumstamm – wir drei sind es zufrieden. * Zack, zack, zack die 129 gezählten Stufen den Longinusturm hoch – schaff ich doch! * Der Rundblick vom Turm auf das Abendsonnenland ringsum – schon magisch. * „Richtig gezählt“ – vom Turmwächter gibt’s eine Schleckerbelohnung. * „Lass das Auto die Straße bergab rollen, mal sehen, wie weit wir kommen“ – die Kinder schlagen ein Spiel vor, und ich spiele gern mit. * Auto anhalten, ein Enkel malt mit einem weißen Stein den Haltepunkt des ausgerollten Autos auf die Straße – so ein Nonsens, aber einfach schön! * Auf der Rückfahrt einen Bauernschleichweg einschlagen – noch etwas Nonsens, und wieder schön. * Die Katze kommt auf mich zu – ich fühle mich geehrt.

Endlos, diese Bilder des Tages. Sie lassen sich ja nicht vermeiden, wir leben in der Dimension der Zeit. Aber all diese Dinge da draußen vor mir sind ja auch in mir entstanden. Und in Resonanz zu all dem, was sich in mir im Laufe der vielen Jahre meines Lebens verdichtet hat. Dank und Willkommen Euch allen!