Unmittelbar nach der
Geburt muss sich das Neugeborene den lebensnotwendigen Sauerstoff aus
der Luft besorgen – durch das Atmen. Die neun Monate vorher nehmen
sich die Embryos den Sauerstoff aus dem Blut der Mutter, das durch
die Nabelschnur zu ihnen gelangt.
Traditionellerweise fühlen
sich Erwachsene für Kinder verantwortlich, und so sind auch Arzt und
Hebamme dafür verantwortlich, dass bei der Geburt die Umstellung von
der Sauerstoffaufnahme aus dem Blut hin zur Luftatmung gelingt. Denn
sie meinen, dass Babys dies nicht von sich aus können. Sie klemmen
deswegen die Nabelschnur ab, machen einen Knoten und schneiden sie
durch, kaum dass das Kind da ist. Und veranlassen es so zum ersten
Atemzug, zur Luftatmung.
Weil durch das Abklemmen
der Sauerstoff ausbleibt, geraten die Babys in Lebensangst, reißen
den Mund auf und stürzen mit dem ersten Atemzug eine Riesenmenge
Luft in die noch zusammengefaltete Lunge, die sich plötzlich mit
einem großen Ruck entfaltet - wie Feuer fährt es in den kleinen
Körper, ein schrecklicher Schmerz! Er entlädt sich in wildem
Schrei, dem ersten Schrei...
Doch keinem Baby muss aus
Sorge und Verantwortungsgefühl Schmerz und Leid bei der Geburt
zugefügt werden. Denn auch hier greift die Selbstverantwortung:
Jeder neugeborene Mensch kann diese Umstellung selbst regeln, niemand
muss dazu durch Abklemmen und Durchschneiden veranlasst, gar
gezwungen werden. Es geht so:
Unmittelbar nach dem
Geborensein wird das Baby auf den Bauch und die Brust der Mutter
gelegt, nahe an ihrem Herzen. Die Nabelschnur wird jetzt nicht
abgeklemmt und durchschnitten, das Kind somit nicht zur Luftatmung
veranlasst, gezwungen. Denn auch wenn das Kind schon geboren ist,
pulsiert das Blut noch einige Minuten lang durch die Nabelschnur von
der Plazenta zum Kind und bringt wie alle Monate vorher mit jedem
Herzschlag den benötigten Sauerstoff.
Langsam, in eigener Regie,
mit kleinen Atemzügen, kann sich das Neugeborene parallel zur
Blut-Sauerstoffversorgung auf die Luft-Sauerstoffversorgung, die
Atmung umstellen. Das Blut in der Nabelschnur wird dabei vom Körper
des Kindes nach und nach vollständig aufgenommen, es wird zur
behutsamen Entfaltung der Lunge und für den Lungenkreislauf
benötigt. Die Nabelschnur wird schließlich leer und milchglasig und
wird erst dann
verknotet und durchtrennt.
Bereits vorgeburtlich
werden die Menschen zur Selbstverantwortung ausgebildet. Mit
Hormonen, biochemischen Möglichkeiten und vielen anderen vom
kindlichen Organismus selbst gesteuerten Prozessen regeln die Embryos
ihren Nahrungs- und Sauerstoffbedarf, ihren Schlaf, ihre gesamte
Entwicklung. Immer wieder entscheiden sie selbst, unendlich viele
große und kleine Dinge in ihrem beginnenden Leben.
Wann soll zum Beispiel die
erste Bewegung erfolgen, mit dem Finger, der Hand, dem Arm, dem Bein,
dem Kopf, dem Rumpf, dem Körper ... Und schließlich sind sie es,
die ihre Geburt einleiten, nicht die Mutter oder gar der Arzt mit der
Spritze: Nach etwa neun Monaten der Entwicklung spürt jedes
Ungeborene selbst, wann der rechte Zeitpunkt gekommen ist, und der
Embyo gibt den entscheidenden Hormonausstoß in den Körper der
Mutter, um damit die Wehentätigkeit auszulösen.
Alle Kinder kommen als
hochwertig ausgebildete und trainierte Selbstverantworter auf die
Welt, mit Selbstverantwortung ausgerüstet für ein gazes langes
Leben. Sie rufen den Erwachsenen zu Beginn zu: „Ich bin für mich
selbst verantwortlich! Das ist jeder Mensch, vom Anfang bis zum Tod!
Ich habe es gut gelernt, für mich verantwortlich zu sein, es gehört
zu meinem Wesen, zum menschlichen Wesen! Erkennt und achtet es!“