Die Gleichwertigkeit ist ein schwieriges Ding. Arzt und Mörder sind gleichwertig. Beide sind Ebenbilder Gottes, sie gehen nur grundverschiedene Wege. Aber ihr Wert und ihre Würde sind von gleichem Rang. Das ist ein weit gefasstes Bild und schließt niemanden aus. Auch nicht die, von denen wir gelernt haben, dass sie wenig wert sind, dass sie böse sind, wie man sagt. Die Würdekrone aber haben alle. Doch soll man dann alles durchgehen lassen?
Kain. Er erschlägt seinen Bruder Abel. Besuchen wir die beiden! Mit der Zeitreise. Wir landen mit unserer Rakete hinten auf dem Acker, Kain holt gerade mit dem Stein aus. »Halt«, rufe ich, »warte mal!« »Was willst Du? Wer seid Ihr denn?« Ich rede auf ihn ein, ich sage ihm, dass es keine wirklichen Bösewichte gibt und dass er es auch nicht ist, auch nicht, wenn er seinen Bruder erschlägt. Aber ob das denn unbedingt sein muss, und dass seine Opfergabe … und so weiter. Ich versuche ihn davon abzuhalten, seinen Bruder zu töten.
»Verschwinde jetzt,« sagt er schließlich, »ich will meinen Bruder umbringen, so steht es in der Bibel.« »Bei allem Respekt, Kain, aber das wirst Du nicht tun!« Und auf mein Kommando stürzen wir uns auf ihn und entwinden ihm den Stein. Ich will damit sagen, dass ich mir – bei allem Respekt auf der psychischen Ebene – sein Handeln nicht bieten lasse.
Was allen »Bösewichten« gegenüber gilt. Und wenn ich eine Chance habe, kann da keiner von denen tun, was er will, sei es nun ein Bombenleger, Feuerteufel, Amokfahrer, Säurespritzer, Mädchenhändler, Kindesmissbraucher, Drogenboss, Tierquäler oder ein sonstiger Fürst der Finsternis.
Das Durchsetzen in der äußeren Welt ist ein klares Oben-Unten. Die Handlungsebene muss aber nicht von einer psychischen Oben-Unten-Position umgeben sein. Dort, in der inneren Welt, ist – bei allem Durchsetzen in der äußeren Welt – Gleichwertigkeit. Uneingeschränkt gilt für jeden: »Die Würde des Menschen ist unantastbar.« Es besteht der Unterschied von »böser« Tat, die es zu verhindern gilt, und Täter, der immer ein Ebenbild Gottes ist.
*
Aus meinem Buch „Kinder sind wunderbar! Unterstützen statt erziehen“, S. 98f.









