Wie kommen unsere Kinder mit der pädagogischen Welt zurecht? Nun, sie werden in unserem Haushalt groß. Hier, auf der Insel der Seligen, existiert die erziehungsfreie Welt von Mama und Papa. Aber kaum machen die Kinder die Wohnungstür auf, schon schallt es durch das Treppenhaus anders.
Die Mutter der Familie von nebenan ist erzieherisch unterwegs. Ihre Emotionen und Schwingungen sind gänzlich verschieden von dem, was unsere Kinder aus ihrem Nest kennen. So ist es! Drinnen ist es so, draußen ist es anders.
Die Kinder werden in zwei Welten groß. Und da sie das von Anfang an mitbekommen, verwirrt sie das nicht, sondern es ist ihre Realität. Zu Hause so, woanders anders. Sie können das handhaben. Eins aber ist klar: Von den Herabsetzungstönen, Schimpfkaskaden, Schuldzuweisungen der pädagogischen Welt draußen stecken sie sich nichts an.
Sie wissen, dass die anderen so drauf sind. Dass sie meinen, recht zu haben und Kinder belehren und herabsetzen zu können. Aber das ist deren Ding, unsere Kinder können ihnen das lassen. Es trifft sie nicht. Ihr Schutzmantel ist gewirkt aus dem verlässlichen Achtungskontinuum ihres Zuhauses.
»Wieso habt Ihr Euch die Hände noch nicht gewaschen?!« Tante Meier schimpft. Unsere Kinder sehen sich an. »Was hat sie denn nur? Wieder Rückenschmerzen?« Sie sind nicht gekränkt und fühlen sich nicht herabgesetzt. Sie sind offen für das, was bei Tante Meier dahintersteckt, wenn sie sich ärgert.
Sie sind voller Empathie. Empathie, die in ihnen lebt, weil sie von den wichtigen Personen ihres Lebens – ihren Eltern und deren Freunden – nicht in ihrem Wertgefühl, ihrer Selbstliebe und Selbstkraft gestört werden. »Ist schon gut, wir waschen uns die Hände«, eine leichte Antwort. Und Tante Meier ist zufrieden.
Unsere Kinder kommen in den beiden Welten gut zurecht. Und da sie einfühlsam und freundlich sind, werden sie auch von den erzieherischen Erwachsenen gemocht. Sie sind gerne gesehen in den Familien ihrer Freunde, im Kindergarten, der Schule, der Verwandtschaft.
Von ihren Alterskameraden ganz zu schweigen. Da ist es so, dass die anderen Kinder, denen der Erziehungsgewittersturm täglich um die Ohren braust, erstaunt und begeistert sind, dass sie auf Kinder treffen, die so ganz andere Eltern haben. Und sie kommen gerne zu uns zu Besuch.
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Aus meinem Buch „Kinder sind wunderbar! Unterstützen statt erziehen“, S. 115f.









