Montag, 21. Juni 2021

Entwicklungskonferenz

 



Was ist gut für die kindliche Entwicklung? Die Frage ist – mit Vorsicht zu genießen! 

Zunächst das Jahr 1900. Es gibt eine Konferenz zur weiblichen Entwicklung. Die (männlichen) Experten tragen vor, diskutieren, machen Vorschläge, erarbeiten eine Resolution. Die Männer sind in ihrem Element. 

Plötzlich Unruhe, Lärm, Getöse. Die Frauen haben mitbekommen, was da passiert. Sie sind empört. „Ihr wisst, was für unsere Entwicklung gut ist?“ Die Anmaßung der Männer macht sie wütend. Sie treten die Türen ein, vertreiben die Männer. „Wir wissen selbst, was für uns und unsere Entwicklung gut ist.“ 

Hundert Jahre später gibt es eine Konferenz zur kindlichen Entwicklung. Die (erwachsenen) Experten tragen vor, diskutieren, machen Vorschläge, erarbeiten eine Resolution. Die Erwachsenen sind in ihrem Element. 

Unruhe, Lärm und Getöse kommen diesmal von innen. Ich nehme an der Konferenz teil und bin an der Reihe, meine Sicht darzustellen. Ich sage zur Verblüffung der versammelten Fachleute: „Ich bin nicht befugt, mir über die Entwicklung junger Menschen derartige Gedanken zu machen, wie sie hier gepflegt werden und Standard sind.“ 

Gedanken, die Kinder zu Objekten unseres Nachdenkens machen und die uns über sie stellen. So etwas verletzt und depersonalisiert, auch wenn es in bester Absicht geschieht. Es ist unwürdig und herabsetzend. Es entkernt ihre Menschenwürde.“ 

Außerdem: Wenn wir objektiv expertenhaft und nicht subjektiv und persönlich über Kinder nachdenken, ist das unwissenschaftlich! Denn jede Wissenschaft muss dem entsprechen, was sie untersucht. Und unsere Gegenüber sind Personen, keine Gegenstände und rein physikalische Dinge. Also müssen unsere Maßstäbe und Parameter nicht sachlich und objektiv sein, sondern personal und subjektiv!“ 

Ich stelle die „objektiven“ Grundlagen von Pädagogik und Psychologie in Frage und werde deutlich: „Es ist unangemessen und unwissenschaftlich, die kindliche Entwicklung mit objektiver Perspektive zu betrachten. Kinder sind nun einmal keine Sachen. Genau so wie es unangemessen und unwissenschaftlich ist, die Gefühle des Autos beim Bremsen zu untersuchen: Denn Autos sind Sachen und keine Personen.“ 

Nach diesem Vergleich wird es laut im Auditorium. Ich lasse mich nicht beeindrucken. „Wären wir klassische Mediziner, wäre das anders. Dann ginge es um den Körper und seine physikalischen Vorgänge. Die wissenschaftlichen Maßstäbe sind dort sachlich und unpersönlich. Hier geht es aber um die Personalität und Würde junger Menschen.“ 

Und überhaupt ist diese Konferenz genauso chauvinistisch wie damals, als die Männer über die weibliche Entwicklung nachdachten: Oben-Unten-Struktur. So etwas ist adultistisch. Die Konferenz sollte aufgelöst werden!“ 

In dem folgenden Tumult verlasse ich die Konferenz und höre, wie die Kinder die Türen eintreten...



 

Montag, 14. Juni 2021

schule - 10:03 Uhr

 


 

deutscharbeit in der klasse 8c. es ist 10:03 uhr. angespannte ruhe liegt über den jungen leuten. ein stuhl wird gerückt. der lehrer blickt auf. ein schüler ist aufgestanden. "was ist los, kilian?"

alle sehen jetzt auf. der schüler sieht zufrieden aus. er schaut zur tafel, durch sie hindurch. "kilian, was ist?" leicht irritiert steht der lehrer auf. "ich schreibe nicht weiter. ich schreibe keine aufsätze mehr."

nach einer sekunde absoluter stille wird es sehr unruhig.

der lehrer wird energisch. "lass den quatsch und setz dich. schreib weiter." kilian richtet sich ganz auf. er sieht den lehrer an.

"sie haben kein recht dazu. meine gedanken gehören mir. niemand hat das recht, meine gedanken auf sein papier zu befehlen. ich werde keine aufsätze mehr schreiben. nie mehr."

seine entschlossenheit bewirkt noch einmal absolute stille im klassenraum.

dem lehrer gelingt keine antwort. zwei, drei andere junge leute stehen ebenfalls auf. sie sagen nichts, sie schließen ihre hefte.

der lehrer ist fassungslos, sprachlos. alle stehen jetzt, alle hefte sind geschlossen. "wollen sie einen kaffee?" fragt freya, "ich hole einen".

tagesschau:

"überall im land haben sich heute vormittag zahlreiche schüler geweigert, ihre klassenarbeiten zu schreiben. lehrer berichten, dass die schüler mitten im unterricht aufstanden und die fortsetzung ihrer arbeiten ablehnten. lehrer, pädagogen, psychologen und eltern können sich diesen vorgang nicht erklären, zumal es an sehr vielen orten gleichzeitig gegen 10:00 uhr vormittags geschah. die entschiedenheit der ablehnung, klassenarbeiten zu schreiben, kam umso unvermuteter, als es keine vorherigen anzeichen für ein solches phänomen gab."


 

Montag, 7. Juni 2021

"Fährst Du mich zum Arzt?"

 

 

Aus dem Forschungsprojekt für meine Dissertation: 

 

Es ist 23.00 Uhr. Ich bin mit drei Kindern und Brigitte (24) im Ferienhaus. Claudia (12) hat etwas vor die Nase bekommen, sie ist riesig dick. „Kriegst du Luft?“ Es sieht nach Bagatelle aus, morgen wird es weg sein, denke ich. Sie sagt, dass sie zum Arzt will. Wir fahren ins Krankenhaus, klingeln die Nachtbereitschaft raus, und die Nase wird untersucht. Es dauert insgesamt drei Stunden, bis wir zurück sind. „Morgen soll sie zum Nachsehen und Röntgen kommen“, sagt der Arzt. 

Am nächsten Morgen hat Claudia keine Lust dazu. Okay, ich akzeptiere. „Aber die Kinder können das doch gar nicht überblicken“, höre ich in mir. Wenn Claudia Brigitte wäre, würde ich ein „Ich hab keine Lust“ auch akzeptieren. „Du wusstest doch, dass es nicht so schlimm war, wieso fährst Du dann überhaupt los?“ höre ich in mir. Ich respektiere Claudias Wunsch, so wie ich Brigittes Wunsch respektiert hätte. „Und deswegen erst um zwei im Bett?“ 

Ich habe ganz andere Perspektiven. Ich habe mit Claudia erlebt, wie das von elf bis zwei war: Die Angst, ihr Vertrauen „Fährst Du mich zum Arzt?“, die Fahrt, die Ankunft vor dem Krankenhaus, im Fahrstuhl, die Untersuchung, die Rückfahrt und die Erleichterung. Wir waren unter uns, ich fühlte mit ihr und sie vertraute mir ihre Sorge an.



Montag, 31. Mai 2021

"Der spielt."



Ich bin zu Besuch bei meiner Tochter Xenia. Das Abendessen ist vorbei, Geschirr und Besteck sind in die Spüle geräumt. Mein Enkel Johann (2 ½ ) nimmt sein Kinderstühlchen und rückt es vor der Spüle zurecht. Er stellt sich darauf und kann jetzt dort oben wirtschaften. Sein Vater Ulf stellt ihm das Wasser an. Ich sitze am Küchentisch, vier Erwachsene und Johanns Bruder Yann (5). Wir unterhalten uns, nur nebenbei sehe ich Johann vor mir an der Spüle. 

Dann geht ein Wahrnehmungs-Fenster auf, und ich sehe das Kind intensiv, bin konzentriert und schwinge ein: Johann nimmt den Lappen, wäscht hier etwas ab, stellt dort etwas um, Johann singt vor sich hin. Mir geht das Herz auf: dieser junge Mensch ist so ganz bei sich, in seiner Welt. Souverän, ohne Wenn und Aber: Johann wäscht ab. 

Als ihm eine Tasse mit lautem Bums ins Becken fällt – da sehen alle kurz auf und sind dann wieder in ihrer Gersprächswelt – nicht in Johanns Welt. Da bin ich aber grade angekommen, und ich bin verblüfft, dass Xenia und Ulf ihn mit dem Wasser so rumhantieren lassen, die mögliche Überschwemmung lässt grüßen. Außerdem könnte die Tasse ja auch auf den Boden gefallen sein. Stress und Scherben am Abend. 

Ich komme in unsere Erwachsenen-Gesprächswelt zurück „Xenia, weiß Du eigentlich, was Johann grade macht?“ Ich will sie behutsam auf das zu erwartende Ärgernis vorbereiten. Xenia nur kurz und völlig selbstverständlich: „Der spielt." Da bin ich sprachlos und zum zweiten Mal heute Abend fasziniert: Ich dachte, die Mutter ist dankbar für meinen Hinweis, steht jetzt auf und kümmert sich um mögliche Scherben und Pfützen. Aber nein! 

Sie hat ihr Kind nicht ausgeblendet, während wir reden. Sie weiß genau, wo er ist, was er macht und wie er unterwegs ist: „Der spielt.“ Aha – der spielt! Ja, klar doch, irgendwie völlig klar doch. Wasserpfützen, Scherben? Ganz verkehrte Welt! „Der spielt."

 

Montag, 24. Mai 2021

Gleichwertigkeit - ein schwieriges Ding

 


Die Gleichwertigkeit ist ein schwieriges Ding. Arzt und Mörder sind gleichwertig. Beide sind Ebenbilder Gottes, sie gehen nur grundverschiedene Wege. Aber ihr Wert und ihre Würde sind von gleichem Rang. Das ist ein weit gefasstes Bild und schließt niemanden aus.

Auch nicht die, von denen wir gelernt haben, dass sie wenig wert sind, dass sie böse sind, wie man sagt. Die Würdekrone aber haben alle. Doch soll man dann alles durchgehen lassen?

Kain. Er erschlägt seinen Bruder Abel. Besuchen wir die beiden! Mit der Zeitreise. Wir landen mit unserer Rakete hinten auf dem Acker, Kain holt grade mit dem Stein aus. „Halt“, rufe ich, „warte mal!“ „Was willst Du? Wer seid Ihr denn?“

Ich rede auf ihn ein, ich sage ihm, dass es keine Bösewichte gibt und dass er es auch nicht ist, auch nicht, wenn er seinen Bruder erschlägt. Aber ob das denn unbedingt sein muss, und dass seine Opfergabe … und so weiter. Ich versuche ihn davon abzuhalten, seinen Bruder zu töten.

„Verschwinde jetzt,“ sagt er schließlich, „ich will meinen Bruder umbringen, so steht es in der Bibel.“ „Bei allem Respekt, Kain, Du weißt, dass ich Dich nicht für einen Bösewicht halte, aber das wirst Du nicht tun!“ Und auf mein Kommando stürzen wir uns auf ihn und entwinden ihm den Stein.

Ich will damit sagen, dass ich mir – bei allem Respekt auf der psychischen Ebene – sein Handeln nicht bieten lasse.

Was allen „Bösewichten“ gegenüber gilt. Und wenn ich eine Chance habe, kann da keiner von denen tun, was er will, sei es nun ein Bombenleger, Feuerteufel, Amokfahrer, Säurespritzer, Mädchenhändler, Kindesmissbraucher, Drogenboss, Tierquäler oder ein sonstiger Fürst der Finsternis. Das Durchsetzen in der äußeren Welt ist ein klares Oben-Unten.

Die Handlungsebene muss aber nicht von einer psychischen Oben-Unten-Position umgeben sein. Dort, in der inneren Welt, ist bei allem Durchsetzen in der äußeren Welt Gleichwertigkeit. 

Uneingeschränkt gilt für jeden: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Es besteht der Unterschied von „böser“ Tat, die es zu verhindern gilt, und Täter, der immer ein Ebenbild Gottes ist. 

Mein Handy klingelt. „Hallo?“ Ein berüchtigter Kindsmörder ist dran. „Sie behaupten doch, ein Mörder habe gleichen Wert wie ein Arzt?“ „Ja, hat er!“ „Das ist doch Unsinn, das glauben Sie doch selbst nicht. Ich bin ein Mörder und viel weniger wert als ein Arzt. Und um Ihnen Ihren Unsinn zu beweisen: schauen Sie mal aus dem Fenster, ich bin hier hinten im Gebüsch.“ 

Ich sehe ihn, er winkt. „Und ich habe Ihre Tochter, die bringe ich jetzt um. Da werden Sie schon merken, was für ein Bösewicht und Ekel ich bin. Nehmen Sie Ihr Fernglas, da können Sie zusehen.“ Solche Anrufe kenne ich. 

Ich habe aber kein Fernglas parat, sondern ein Gewehr mit Zielfernrohr. Blitzschnell nehme ich es hoch, ziele auf sein Messer und drücke ab. Da er sich beim Zustechen bewegt hat, treffe ich nicht das Messer sondern seine Brust, meine Tochter ist unversehrt. Ich stürze aus der Wohnung und renne die 100 Meter zu ihm hin. „Du elendes Schwein, Du stichst keine Kinder mehr ab!“ Ich trete ihn vor Wut. 

Nein, es ist ganz anders: Ich renne zu ihm hin, das Blut spritzt, er liegt auf dem Boden, ich nehme ihn in den Arm, er sieht mich mit brechenden Augen an: „Ich bin ein Schwein“, sagt er leise. „Nein“, sage ich und streichle ihm über den Kopf, „Du bist ein Ebenbild Gottes wie ich. Du gehst nur einen Weg, den ich nicht mitgehen kann.“







Montag, 17. Mai 2021

Selbstliebe und erziehen


 

Vor einiger Zeit gab ich der Böhme-Zeitung in Soltau ein Interview über "Selbstliebe und erziehen":

  

Die Annahme, dass Kinder erst zu „richtigen“ Menschen erzogen werden müssten, ist sicherlich falsch, wenn damit „vollwertig“ oder „gleichwertig“ gemeint ist. Dennoch bedürfen Kinder in unterschiedlichen Lebensphasen doch immer wieder elterliche Unterstützung und auch Anleitung. Was soll daran falsch sein?

Nichts. Besser: kommt drauf an. Auf den Ton nämlich, der beim Unterstützen und Anleiten dabei ist. Von oben herab? Weil ich recht habe? Weil Du noch ein Kind bist? Ja, wir stehen oben, haben recht und ein Kind ist ein Kind. Aber bei aller Offensichtlichkeit: da kann ein unguter Ton dabei sein, der von oben herab kommt, mit Rechthaberei und „Du bist nur ein Kind“. Das muss nicht sein. Und es sollte nicht sein. 

 

Die allermeisten Eltern handeln instinktiv so, wie es ihrer Überzeugung nach das Beste für das Kind ist. Wenn sie jetzt hören, dass das zu viel ist – erzeugt das nicht vor allem ein schlechtes Gewissen und verunsichert die Eltern nur noch mehr in einer Welt zwischen Perfektionismus und Überlastung? 

Menschen gibt es seit Millionen Jahren, und immer haben Eltern instinktiv so gehandelt, wie sie es als gut für ihre Kinder eingeschätzt haben. Das ist der richtige Weg und nicht „zu viel“. Ich bestärke Eltern darin, sich auf ihr Gefühl zu verlassen. Das ganze heutzutage ausgetüftelte Erziehungsdenken stört: das ist zu viel, wird leicht zur Last und verunsichert. Ja, man kann auch mal einen Erziehungsratgeber lesen oder einen Vortrag zu Erziehungsfragen besuchen. Aber nötig ist das nicht. 

 

Sie schlagen vor, die Selbstliebe wieder zum Ausgangspunkt des Umgangs mit den Kindern zu machen. Ist das nicht leichter gesagt als getan? Setzt diese Selbstliebe ein radikales Umdenken voraus? Und wie müsste das aussehen? Ist Selbstliebe vor allem eine Frage der inneren Einstellung? 

Mein Vorschlag ist keine Hausaufgabe. Niemand muss die Selbstliebe zum Ausgangspunkt des Umgangs mit Kindern machen. So etwas hört sich doch nur anstrengend an. Ich bin da anders unterwegs, nämlich so: Jeder kann es sich gestatten, erlauben, sich hineinfallen lassen in ein freundliches Ich-mag-mich. So was braucht kein Umdenken und keine besondere Einstellung. Und um so besser, wenn einem das im Zusammensein mit den Kindern passiert.

 

Selbstliebe scheint heute vielen Menschen schwer zu fallen, sie ist alles andere als selbstverständlich. Selbstzweifel scheinen – gerade Eltern – zu dominieren. Wie kann man Selbstliebe lernen? 

Menschen tragen die Selbstliebe von Geburt an in sich. Wir haben nur in der Kindheit gelernt, uns nicht als liebenswerte Ebenbilder Gottes zu sehen sondern als fehlerhafte Wesen, die man erziehen muss. Weg damit! Es ist aber auch kein Drama, wenn man an sich zweifelt. Das gehört in der Erziehungskultur, in der wir groß geworden sind, eben dazu. Und: „Selbstliebe lernen“ - so geht das nicht. Sie ist ja da, und es kann einem irgendwie (?) widerfahren oder geschenkt werden, dass sie wieder aufblüht. Jeder ist da eingeladen, sich auf seine Sebstliebewiese plumpsen zu lassen, so wie wir das als Kinder konnten. Vielleicht gehört einfach ein bisschen Mut dazu, sich zu trauen. Sich zu vertrauen. Sich in Ruhe zu lassen. An sich zu glauben. 

 

Auch wenn es Eltern gelingt, sich selbst zu lieben, löst das noch nicht alle familiären Probleme. Auch selbstliebende Eltern werden weiter mit ihrem Kind und miteinander Konflikte austragen müssen, auch miteinander streiten. Wo ist da der entscheidende Unterschied? 

Noch einmal: Es muss Eltern nicht gelingen, sich selbst zu lieben. Das ist doch alles viel zu gewollt. Nichts muss. Nur: Wenn man sich mag, was ja vorkommen kann, dann lassen sich die Alltagsprobleme gelassener angehen. Konflikte wird es immer geben. Ich sag hü, das Kind sagt hott. Und dann gebe ich gelassen nach oder ich setze mich ohne Zimperlichkeit durch: „Es gibt nicht noch ein Eis!“ Das haben die Kinder natürlich nicht so gerne, es entstehen Ärger und Leid. So ist es, und das lässt sich auch nicht vermeiden. Und: Ich mag mich, wenn ich mich durchsetze! Weil mir das wichtig ist, weil es meinen Werten und meinen Vorstellungen vom Besten des Kindes entspricht. 

Zum Unterschied: Ich muss den Kindern dann ihren Unwillen, Ärger oder Leid nicht wegpusten und madig machen durch ein „Sieh das ein“ und „Es ist doch nur zu Deinem Besten“. Nach jedem Regen scheint die Sonne ganz von allein. Wir müssen es uns nicht übel nehmen, wenn wir Steine im Weg der Kinder sind. Das gehört einfach dazu. Die Quadratur des Kreises, sich durchzusetzen und dabei noch ein Lachen hervorzulocken, muss sich niemand antun. 

 

Bedeutet Selbstliebe, dass ich auf Erziehung verzichten kann? Wie soll ich mein Kind dann begleiten? 

Auf Erziehung verzichten? Man kann darauf verzichten, sich im Umgang mit Kindern missionarisch, besserwisserisch, mit ungutem Sieh-das-ein-Ton über die Kinder emporzuschwingen. Ich habe den Begriff „Erziehung“ nicht so gerne, weil er diese Oben-Unten-Position normalerweise als Grundrauschen enthält. Aber lassen wir das, erziehen wir die Kinder einfach ohne diese traditionelle und pädagogische Erwachsenen-Macke. Erziehen wir instinktiv oder belesen oder beides. Verunsichert oder gefestigt oder beides. Wie es kommt. Selbstliebe hin oder her. Wie gesagt, seit Millionen von Jahren... Das wird schon!



Montag, 10. Mai 2021

Was ist gut für die kindliche Entwicklung?

 



Eine Passage aus meinen Vorträgen:

Was ist gut für die kindliche Entwicklung? Das wissen die Experten. Das wissen die Experten? Vorsicht! 

Zunächst das Jahr 1900. Es gibt eine Konferenz zur weiblichen Entwicklung. Die (männlichen) Experten tragen vor, diskutieren, machen Vorschläge, erarbeiten eine Resolution. Die Männer sind in ihrem Element. 

Plötzlich Unruhe, Lärm, Getöse. Die Frauen haben mitbekommen, was da passiert. Sie sind empört. „Ihr wisst, was für unsere Entwicklung gut ist?“ Die Anmaßung der Männer macht sie wütend. Sie treten die Türen ein, legen Feuer. „Wir wissen selbst, was für uns und unsere Entwicklung gut ist.“ 

Hundert Jahre später gibt eine Konferenz zur kindlichen Entwicklung. Die (erwachsenen) Experten tragen vor, diskutieren, machen Vorschläge, erarbeiten eine Resolution. Die Erwachsenen sind in ihrem Element. 

Unruhe, Lärm und Getöse kommen diesmal von innen. Ich nehme an der Konferenz teil und bin an der Reihe, meine Sicht darzustellen. Ich sage zur Verblüffung und Verwirrung der versammelten Gelehrten: „Ich bin nicht befugt, mir über die Entwicklung anderer Menschen derartige Gedanken zu machen.“ 

„Gedanken, die Kinder zu Objekten meines Nachdenkens machen und mich über sie stellen. So etwas verletzt und depersonalisiert, auch wenn es in bester Absicht geschieht. Es ist unwürdig und herabsetzend. Es entkernt ihre Menschenwürde. Wenn wir expertenhaft über Kinder nachdenken, ist das genau so chauvinistisch wie damals, als die Männer über die weiblichen Entwicklung nachdachten. So etwas ist adultistisch. Ich verlasse diese Konferenz.“ Und die Kinder treten die Türen ein und legen Feuer... 

Ich fahre von der Konferenz nach Hause. Ich überlege, welch kleines Geschenk ich meiner Frau mitbringen könnte. Stopp an der Tankstelle. Mon Chérie oder Rose? Ich bin unschlüssig. „Was suchen Sie?“, fragt der Kassierer. „Ich weiß nicht, ob ich meiner Frau Mon Chérie oder eine Rose mitbringen soll.“ „Ja“, sagt er, „schwere Entscheidung.“ Ich nicke. „Bringen Sie ihr doch das mit, was gut für ihre Entwicklung ist.“ (Die Zuhörer lachen, es ist absurd.)

Aber keine Sorge, das Gespräch gibt es nicht. Ich schenke ihr das, von dem ich meine, dass es ihr die meiste Freude macht. 

Am nächsten Tag bin ich zum Einkaufen unterwegs. Mein Neffe hat Geburtstag. Ich stehe unschlüssig vor dem Schaufenster des Spielwarengeschäfts. „Worüber denkst Du nach?“ Mein Freund ist mitgekommen. „Teddy oder Lego“, sage ich. „Ich kann mich nicht entscheiden.“ „Wie alt wird er denn?“ „Drei“, sage ich. „Das kann doch nicht so schwer sein,“ sagt er. „Was ist denn gut für seine Entwicklung in dem Alter?“ Gute Frage! Was sagen Pädagogik, Entwicklungspsychologie und Hirnforschung? 

Mein Neffe steht plötzlich neben uns. Er ist empört. „Wie denkt Ihr denn über mich? Ihr wisst, was gut für meine Entwicklung ist? So was steht in den Büchern? Darüber gibt es Konferenzen? Das läuft an den Universitäten? Habt Ihr sie noch alle? Ich bin doch kein Objekt Eurer geistigen Begierde! Ich bin ein Mensch mit Würde und habe eine Würdekrone! Lasst den Unsinn. Und schenkt mir das, von dem Ihr meint, dass es mir Freude macht.“ 

Ich mache mir schon Gedanken darüber, was für andere Menschen und für meine Kinder und ihre Entwicklung gut ist. Aber der ganze Blick ist dabei – anders. Ich nehme keine objektivierende und expertenhafte Haltung ein, sondern bin subjektiv unterwegs, von Person zu Person. Und ich möchte auch nicht, dass da – wann auch immer – „Experten“ mich beäugen und „objektiv“ über mich befinden. Niemand will das, auch kein Kind. 

Aber ist „Unterstützen statt erziehen“ denn nicht gut für Kinder? Wer kann das wirklich wissen! Es ist ein Weg zu den Kindern. Es ist mein Weg zu den Kindern.

 

Montag, 3. Mai 2021

Das klappt doch nie? Trau Dich!


 

  

„Das klappt doch nie!“ Das wurde mir neulich vorgesetzt. „Kann schon sein, dass es nicht klappt“, dachte ich, „kann aber auch nicht sein.“ Und dann fiel mir dieses fulminante „Klappt doch nie!“-Erlebnis vor langer Zeit ein:

*
Ich mache mit der Familie Ferien in England, meine Frau Brigitte, Felix (9), Xenia (7) und ich. Eines Tages fahren wir mit der Fähre weiter zu den Äußeren Hebriden. Wir besuchen den Leuchtturm Butt of Lewis und fahren einige Tage später mit der Fähre wieder zurück nach Schottland, Hafen Ullapool. 

Wir verlassen den Hafen, es soll nun zum Loch Ness gehen. Nach einer halben Stunde: „Mein Stickzeug ist nicht da.“ Xenia hat Stickgarn mit und knüpft damit auf der ganzen Reise bunte Freundschaftsbänder Aber jetzt ist es nicht wie gewohnt neben ihr im Auto.

Während wir weiterfahren, überlegen wir, wo es sein könnte. Schließlich halte ich an und suche die vollgepackte Rückbank ab, aber es ist kein Stickzeug da. „Jetzt überlege mal, wann hast Du es zuletzt gesehen?“ „Auf der Fähre.“ 

Stimmt, ich erinnere mich, Xenia hat es dort benutzt, vor ihr auf dem Tisch. Dann kam es wie immer in eine leere rote Chipsrolle. Ich sehe alles deutlich vor mir. Kurz vor dem Aussteigen stand die rote Rolle neben Xenia auf der Bank, auf der wir gesessen hatten. 

„Hast Du vergessen, sie von der Bank mitzunehmen?“ Es kommt keine Antwort, der Kummer ist zu groß. 

Na ja, weg ist weg. Aber ich kann das nicht! Da muss mehr gehen! Ich habe beim Aussteigen den Reinigungsdienst gesehen, die Frauen packten alles Liegengebliebene von Tischen und Bänken in große blaue Müllsäcke. Sie mussten die Chipsrolle für das gehalten haben, was offensichtlich war: Müll, auf der Bank zurückgelassen. Eingepackt und weg. 

Eine verwegene Idee meldet sich in mir: Wenn ich die Müllsäcke untersuche? Ja, im Film, aber nicht in der Realität. „Wir könnten zurückfahren und ich untersuche die Müllsäcke“ sage ich trotzdem. „In einem müsste Dein Strickzeug sein.“ Aber so eine Trostbemerkung ist doch unfair. Unfair? 

„So ein Quatsch.“ Die Stimmung im Auto ist entsprechend deutlich. „Außerdem sind wir schon viel zu weit weg.“ In mir nimmt es Schwung. „Ich könnte es doch versuchen.“ Aber „Das klappt doch nie“ breitet sich weiter aus. 

Ich will Xenia nicht hängen lassen. Wenigsten einen Versuch machen! Ich sehe mich irgendwo am Hafen die Säcke aufschlitzen. 

Brigitte kennt mich: Wenn ich mir so etwas Absurdes einmal in den Kopf setze, dann... Sie gibt mir freie Hand, Loch Ness würde uns nicht weglaufen. Nessie grunzt freundlich. Felix und Xenia sagen gar nichts mehr, es ist alles zu unwahr. 

Ich drehe das Auto mit Schwung um und fahre zurück. Die Atmosphäre ist erst angespannt, dann heiter. So viel Nonsens für ein Stickzeug. Soviel Liebe für ein Kind. 

Am Hafen traue ich mich nicht, über den Zaun zu den blauen Säcken zu klettern. Wen fragen, ob das geht? „Das klappt doch nie“ lauert. Am Ticketschalter: „Wir waren grade auf der Fähre. Meine Tochter hat ihr Stickzeug vergessen, es müsste in einem der Müllsäcke in einer roten Chipsrolle sein. Ob ich vielleicht...?“ Der Ticketman sagt nur: „Hafenmeister.“ 

Puh, hohe, sehr hohe Hürde. Den Hafenmeister für so eine Bagatelle angehen? Der hat weiß Gott anderes zu tun. Es ist aber keine Bagatelle! Es ist eine Herzenssache! Auch diesen Versuch will ich machen, auch wenn ich mich schwer blamieren sollte. „Wartet am Auto.“ 

Büro des Hafenmeisters, Anklopfen, reingehen. „Meine Tochter...“ Der Hafenmeister legt seine beiden Telefonhörer aus der Hand und hört zu, sehr konzentriert. „Ich habe auch eine Tochter in dem Alter.“ Gespräch von Vater zu Vater. „Wir haben die Müllsäcke aber gar nicht hier ausgeladen, sie werden diesmal auf der anderen Seite, in Lewis entsorgt. Die Fähre ist schon zurückgefahren.“ 

Aus der Traum! Aber: „Ich rufe den Kapitän an, die Crew kümmert sich darum. Wie sah die Rolle genau aus?“ Mir kommen fast die Tränen. „Warten Sie vor dem Büro, es kann dauern.“ 

Alle vier warten wir auf der Bank vor dem Büro. Gespannt, angespannt. Ob das was wird? Wie unrealistisch ist dass denn eigentlich alles? Das Fünkchen Hoffnung wird stärker – die Enttäuschung wird um so größer sein... Schließlich öffnet sich die Tür, der Hafenmeister steckt den Kopf raus, sieht uns: „We get it!“ 

Wir sind sprachlos. „Die Fähre kommt morgen um elf Uhr zurück, seines Sie dann am Kai, der Kapitän bringt Ihrer Tochter das Stickzeug mit.“ Wir sind immer noch sprachlos. 

Dann suchen wir uns einen Campingplatz, haben eine schönen Abend am Meer und kriechen voll Vorfreude ins Zelt. Am nächsten Vormittag sind wir um elf am Kai. Die Fähre läuft ein, die Passagiere verlassen das Schiff. 

Dann kommt die Crew. Zum Schluss auf der großen Außentreppe der Kapitän in seiner blauen Uniform. In seiner rechten Hand hält er – die Rolle! Rot und wunderschön. Es ist einfach nur ergreifend. Schon hat er uns entdeckt und gibt Xenia ihre Rolle, sie drückt sie an sich. So viel Kinderglück. Der Kapitän und ich, wir strahlen uns an. 

Ich sause zum Hafenmeister, Bürotür auf, großer Dank, Händeschütteln. Weiter geht’s fröhlich zum Loch Ness.







 

 


Montag, 26. April 2021

Zauberei unten am Fluss



Nach dem Joggen mache ich Gymnastik. Ich sitze auf dem Boden, auf dem kleinen Weg am Fluss. Ein Wanderer kommt auf mich zu. „Ist alles in Ordnung?“ fragt er besorgt. „Ja“, sage ich, „ich mache nur Gymnastik. Danke.“ Wir sehen uns freundlich an, und er geht wieder seiner Wege. Er sah einen Menschen am Boden, war besorgt und hat sich gekümmert. Es tut mir gut. 

„Ist alles in Ordnung?“ Wir können immer wieder hinschauen. Vielleicht braucht jemand gerade Hilfe. Meine Hilfe. Doch da gibt es auch eine Hürde, die es zu nehmen gilt. Bin ich aufdringlich, übergriffig? Bringt meine Frage nur unangenehme Reaktionen?

Wie viel Einmischung darf sein? Wie immer kommt es letztlich auf mich an. Der andere wird dann schon reagieren. Ich sehe jemandem am Boden: kommt das gut, wenn ich da nachfrage? Ich überwinde die Hürde, betrete ungefragt sein Land und folge dem Impuls, mich einzumischen. Es drängt mich danach, und es beruhigt mich. Ich lasse ein mögliches Leid nicht am Wege liegen, übersehe dieses Signal nicht. Jeder gehört sich selbst, klar, aber diese Grenzüberschreitung gestatte ich mir.

„Ist alles in Ordnung?“ Ich denke darüber nach. Wie oft reagiere ich, wenn etwas neben mir auftaucht, das Leid sein könnte? Wie viel sehe ich und wieviel übersehe ich? Wie oft kann ich den Blick lösen vom Eingefangensein des Alltags? Ich nehme mich jetzt nicht in die Pflicht, sorgsamer zu sein. Aber ich spüre dem nach und merke, dass es einfach auch gut tut, sich zu kümmern. Mir gut tut. Es ist auch ein Abenteuer der Freude, dem anderen beizustehen und ihm aufzuhelfen.

Wenn wir in einem Raum liebevoller Leichtigkeit unterwegs sind, schauen wir nach dem Leid des anderen. Wenn wir selbst beschwert sind, gelingt das selten. Das muss man sich ja nicht übelnehmen, wir sind stets unterschiedlich beladen unterwegs. Sein „Ist alles in Ordnung?“ kommt aus einem guten Land, überschreitet die Grenze und führt in ein gutes Land. Der Wanderer und ich sind uns in diesem Land begegnet, ein bisschen Zauberei unten am Fluss. Ein Geschenk, das mich begleitet.



 

Montag, 19. April 2021

Ole und der Fischknuddel


 

Ich bekomme mit: Grundschule, Nachmittagsbetreuung. Der Siebenjährige erzählt: „Miriam hatte genug gegessen. Aber der Teller war noch nicht leer. Ole, der Betreuer, hat sie angemault: 'Wenn Du nicht aufisst, bleibst Du bis heute Abend hier!'“ 

Echt jetzt? So was ist doch Lichtjahre zurück! Ich sehe mich bei meiner Großmutter sitzen vor dem Kochfisch, knalltrocken der Mund, ewiges Rumgekaue auf dem Fischknuddel. „Erst isst Du auf, dann kannst Du losziehen.“ Auch ich war sieben. 

Meinen Kindern habe ich gesagt, immer: „Iss nur so viel, wie Du kannst, gut kannst. Was Du nicht schaffst, schaffst Du nicht.“ Es kam selten vor, dass sie nicht aufgegessen haben. Jedenfalls hab ich den schaurigen Aufessedruck in meiner Familie gar nicht erst aufkommen lassen. Ist doch so selbstverständlich wie was. War damals schon ein bisschen Revolution. Aber: Wie kann man Kinder nur zum Aufessen drängen? Gar zwingen? Wer macht denn so was? 

Dahinter wuchtet natürlich die Menschenwürde, die unantastbare. Hier: die körperliche Unversehrtheit, das Recht auf den eigenen Körper. Was ich als Vater ja auch immer wieder nicht umsetzen konnte. Wenn es um das Waschen ging, Zähneputzen, Anschnallgurt im Auto, Festhalten beim Wickeln, ach, tausend Übergriffe. Die sein mussten, wie ich das so meinte. Aber dieses ungewünschtes Mittagessen? Ist das anders als Hustensaft? Bin ich zu unnachsichtig mit Ole und Co.? 

„Mein Bauch gehört mir!“ Stolzes Wort in Kindermund. „Schon mal gehört?“ Ja doch, aber: Hier stehe ich, ich kann nicht anders. „Und deswegen kommt das Vollkornbrötchen in Deinen Bauch und nicht der 17. Schokohase von der Oma“. Immerhin, bei aller meiner Durchsetzungsmacht (Erwachsener oben, Kind unten): Ich setze mich „nur“ in der äußeren Welt durch (ich bin ja nicht antiautoritär). Aber die innere Welt des Kindes lasse ich in Ruhe. Ich habe nicht wirklich Recht, ich folge nur meiner subjektiven Wahrheit. Einsehen muss bei mir kein Kind was. Wiewohl es meinen Einsichten folgen kann, wenn es das will. Oder eben folgen muss, wenn es das nicht will.

Aber Ole? "...bis heute Abend!"? 

Klar, ich könnte diesen Ole darauf ansprechen. Was sollte mich wirklich hindern? Ich kann allemal in eine Nachmittags-Kinderbetreungs-Situation reinplatzen und den Mund aufmachen. Oder um ein Gespräch nachsuchen. Nur: Wer Kinder so anfaucht, der ist dermaßen in einer anderen Welt unterwegs als ich. Wenn das was werden sollte, müsste ... Zauberei ist immer möglich, aber da muss ich ein stimmiges Gefühl haben. Was bei der Ole-Geschichte aber nicht so ist. 

Ich lass ihn in Ruhe, ich glaube nicht, dass das was bringen würde. So jemand ändert sich nicht wirklich, jedenfalls nicht durch die Intervention von mir, einem Außenstehenden. Es müsste ja auch ein Gespräch werden, wo Ole sich nicht kritisiert fühlt, wo er sich nicht schlecht fühlt, wo er merken könnte, wie verletzend er ist. Merken! Mit dem Herzen. Das alles ist mir zu viel und da scheue ich den Einsatz. Bis Ole mich nicht als übergriffig, sondern als frendlich-einladend für einen anderen Weg erlebt...die Chance ist mir zu klein.

Lasse ich das Kind im Stich? Wer, wenn nicht ich, könnte intervenieren? Seine Mutter? Sein Vater? Andere Eltern der Betreuungskinder? Die Schulleitung? Die Bildzeitung? Welches Fass soll aufgemacht werden? Ich habe da nicht so den Schwung. Sollte ich aber! 

Sollte ich aber? Es rumort da schon in mir, aber meine Beruhigungspille „Bin doch nicht zuständig“ wirkt. Ich fühle dennoch so eine subversive Kraft, so ein „Mach doch!“ und „Kinder hängen lassen geht ja gar nicht!“ ... Ich lass es mal wirken.