Seminar „Ich liebe
mich so wie ich bin“. Eine Teilnehmerin: „Ihre Botschaft ist
also, sich in Ruhe zu lassen, nach dem Motto, dass man sich ja auch
nicht lieben muss. Weitere,
besonders konkrete Hilfen bieten Sie nicht an. Richtig
verstanden?“
„Mach, dass es aufhört. Dass der
Selbstzweifel, der Mangel an Selbstliebe geht.“ Mit diesem Wunsch
kommen die Teilnehmer in meine Seminare. Großer Wunsch, große
Erwartung. Ich merke das und sehe ihr Leid. Und ich weiß, dass ich
ihnen etwas anbiete, mit dem sie nicht gerechnet haben. Und das für
die einen viel zu wenig, für die anderen genau das Richtige
ist.
Ich nehme sie nicht mit in das Land des Handauflegens,
der Pülverchen, der Kopf- und Handstände, Atem-, Feuer-, Wasser-,
Licht- und aller sonstigen stofflichen und nichtstofflichen Übungen.
Da habe ich nichts zu bieten. Da bin ich nicht kundig. Wäre ich es,
würde ich ihnen genau so helfen: mit Handauflegen, Pülverchen und
Co. Nur kann ich das eben nicht.
Da sind dann schon einige
enttäuscht und drehen ab. Andere sind eher erstaunt, dass ich eine
lange Geschichte über Kindheit und Co erzähle. Aber sie hören zu,
geraten in Resonanz und sie sehen die Tür, die ich ihnen zeigen
will.
Die Tür: Wie denke ich über mich in diesem
Selbstliebe-bitte-wachse-Szenario? Wie bin ich da unterwegs? Was
treibt mich an? Warum macht mir die mangelnde Selbstliebe zu
schaffen? Hänge ich an einer Ich-muss-besser-werden-Strippe?
Marionette des seelischen Gesundheitszeitgeists? Oder tut es einfach
nur weh und ich will, dass es aufhört? Auf dass ich strahle jeden
Tag?
So ein ungutes Unterwegsgefühl kommt dann zum
Selbstliebe-Mangelgefühl noch oben drauf. Erstens mag ich mich zu
wenig. Und zweitens strengt mich das Abschaffen des Zuwenigs an. Und
drittens nervt es obendrein, dass ich nicht vorankomme. Und viertens
nagt da was: Ob ich zur Selbstliebe überhaupt geschaffen bin, egal,
wie ich mich strecke. Und fünftens und schlussendlich: Ich bin eben
nicht fürs Licht gemacht.
Tja. Diesen Gang in die Unterwelt
wie bei Dante Richtung Hölle sehe ich mir vom Kraterrand an und
strecke die Hand aus: „Schau mal, sage ich, Du kannst Dich in Ruhe
lassen. Du hast die Selbstliebemasern. Mach Dich nicht verrückt. Du
bist nur krank. Schlimm genug. Aber mehr ist es nicht. Ich habe keine
Selbstliebemasern-Medizin zu bieten. Aber ich kann Dir ein
Gelassenheitskraut zu kauen geben. Komm mal wieder rauf, niemand
zwingt Dich, die Selbstliebe finden zu müssen. Ist nicht schön,
wenn man an sich zweifelt, schon klar. Aber hau Dich deswegen nicht
in die Pfanne, auch nicht, wenn es da nicht vorangeht.“
Ungefähr
so.
Ich zeige den Teilnehmern etwas anderes als Heilung von
ihrem Selbstliebemangel. Ich zeige ihnen, dass sie überhaupt damit
umgehen und wie sie konkret damit umgehen (ich muss eine Verbesserung
erreichen). Und welchen Vorschlag ich hier habe, beim Damit-Ungehen.
Nämlich: Sich nicht die Butter vom Brot nehmen zu lassen, sondern
sich vom Besserwerden-Müssen zu emanzipieren, sich vom
Selbstliebe-Erziehen zu lösen. Chef im eigenen Haus zu sein:
„Selbstliebe, Du mieser Verräter, wenn Du nicht in meine Seele
kommen willst – dann eben nicht. Ich freue mich, wenn Du
angezottelt kommst. Aber ich lege Dich jetzt mal zur Seite und kümmer
mich um den Tag.“
Also entdramatisieren. Kein Stress,
selbstliebefündig werden zu müssen. Ja, zu wenig Selbstliebe tut
weh. Und dieser Mangelschmerz kann auch der ständige Begleiter für
die nächsten 100 Jahre sein. Aber: das muss mir nicht den Tag
versauen. Ein erfülltes Leben mit/bei/trotz Schmerz lässt sich
anpeilen.
„Weitere Hilfen bieten Sie nicht an?“ „Biete
ich nicht an.“ „Danke“, sagt sie, „aber darüber so zu denken
ist mir eine große Hilfe.“









