Ich bin zu Besuch bei Freunden. Alex kommt mit einem Zettel nach Hause: »Sport ist gesund und gut für den Körper. Darum ist es schade, dass ich mein Sportzeug vergessen habe.«
Er soll ihn abschreiben. Wie oft, habe ich nicht mitbekommen. Einmal, zehnmal, hundertmal? Was denkt sich die Lehrerin dabei, eigentlich? Wie erlebt sie sich vor dem jungen Menschen?
Wie sieht sie Kinder? Haben Kinder eine Würde, gar eine unantastbare? Die Lehrerin will eine Veränderung in dem Jungen. In seinem Vergesslichkeitskopf, in seiner Seele. Sie ist die kluge Missionarin, die dem kleinen Menschlein zeigt, wo es lang geht. Im Sportunterricht, bei ihr als Managerin seiner Arme und Beine, seiner Beweglichkeit und Muskeln.
Macht so etwas gesund, Freude, Spaß? Was passiert da, bei dieser Abgesandten unserer Kultur, einer Lehrerin? Ausgebildet mit viel öffentlichem Geld an einer Universität? Wie viele Vorlesungen und Seminare hat sie mitgemacht? Wie viele Professoren hatten mit ihr zu tun, Einfluss auf sie genommen? Wie sind ihre Freundinnen gestrickt? Was denken die alle eigentlich von Kindern? Sind Kinder Trottel, Dumpfbacken, Biester, Bildungsmaterial?
Ich glaube mal, dass diese Sportzeugvergessekinder echt anstrengend für solche Lehrer sind. So anstrengend, dass Grundlegendes auf der Strecke bleibt. Der gute Ton – dahin. Einfühlung – dahin. Vorbildlichkeit – dahin. Freundlichkeit – dahin. Mut machen – dahin. Statt dessen Drama, Draufhauen, Bloßstellen, Schimpf und Schande.
So eine Lehrerin will ich nicht an meine Kinder heranlassen. Wie konnte so eine Lehrerin die Prüfungen überstehen, die vielen Begutachtungen in ihrer Referendarzeit? Oder sind sie alle so? Die Professoren, die Bücher, die Freundinnen? Das ganze System Schule? Ist so ein kleiner Zettel »Sport ist gesund …« ganz einfach eine Systemselbstverständlichkeit? Und nur seine Mutter und ich finden etwas dabei?
Aus meinem Buch "Kinder sind wunderbar!", S. 214 f.








