Montag, 9. März 2026

Der knallt den Hörer auf


 

Ich will, dass aufgeräumt wird. Zauberseifenblasen Marke »Aufräumen ist mein Schönstes« habe ich nicht. Ich kann Petrus anrufen und die Beschwerde loslassen: »Ich habe kein Kind bestellt, das nicht aufräumt!« Der knallt den Hörer auf: »Habe ich aber geliefert!«

Wie kriege ich jetzt die Sachen in Regal, Schrank und Schublade? Wer will denn eigentlich, dass aufgeräumt wird? Mein Kind nicht, aber ich. Also! Also wer räumt auf? Ich räume auf!

»Du räumst für Dein Kind die Sachen weg, ja spinnst Du! Wo soll das hinführen! Die machen doch mit Dir, was sie wollen!« Ich habe da ganz andere Bezüge. Was will ich denn? Das Gezeter und Theater, 10 Minuten um 10 Minuten, bis die Kinder endlich fertig sind und rauskönnen? Nicht mein Ding. Das ist es mir nicht wert.

»Räum Dein Zimmer auf.« »Nein. Will nicht.« Na gut – dann räume ich eben auf. Wo ist das Problem? Schon klar, das Nachgeben, Kind oben, Vater unten. Das stimmt zwar auf der Handlungsebene, aber nur dort und nicht auf der psychischen Ebene, jedenfalls nicht auf meiner.

Ich habe beim Aufräumen kein Unterlegenheitsgefühl. Wenn ich aufräume und die Kinder in Ruhe lasse, gibt es keinen Krach. Sondern Frieden eben, und den zettele ich an. Ich erlebe mich als Friedensstifter im Kinderzimmer, und es geht mir gut dabei. Was habe ich mir für eine viertel oder halbe Stunde Selbstaufräumen nicht alles erspart! Das ganze Machttheater und 10-Minuten-Gruseldrama. Ich räume mit guter Stimmung auf, das Zimmer ist wirklich okay, und ich habe dabei mitbekommen, welche Spielsachen repariert werden müssen. Und sauber ist es auch.

Die Kinder? Hören CD, spielen, helfen ein bisschen. Ich habe eine schöne Stunde, wir haben eine schöne Stunde. Ein guter Tausch: gute Stimmung gegen Ätze. Das mache ich nicht immer, aber durchaus. 

 

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Aus meinem Buch "Kinder sind wunderbar! Unterstützen statt erziehen", S. 87 f. 

 


Montag, 2. März 2026

Den x-ten Schokohasen von der Oma essen

 

 

Von März bis Mai bin ich zu Vorträgen unterwegs, auf Elternabenden in Kindergärten. Was biete ich an?  

Eltern lieben ihre Kinder – und erziehen sie?

Im Land jenseits der Erziehung müssen Kinder nicht erst zu richtigen Menschen gemacht (erzogen) werden. Sie tragen von Geburt an die Würdekrone des vollwertigen, ja selbstverantwortlichen Menschen auf dem Kopf und in der Seele – nicht erst mit achtzehn Jahren.

Und wenn diese wunderbaren Kronenwesen dann mit acht Monaten in die Steckdose fassen wollen? Mit drei Jahren keine Dreckstiefel ausziehen? Mit fünf den x-ten Schokohasen von der Oma essen? Mit zwölf die Zigarette nicht ausmachen? Mit siebzehn von der Party nicht nach Hause kommen?

Allen Alltagsproblemen lässt sich mit einer Beziehung ohne pädagogische Übergriffigkeit (»Sieh das ein!«) begegnen. Ein Nein ist und bleibt ein Nein – nur dass die Würde von Kindern und Eltern dabei nicht auf der Strecke bleiben muss.

In großer Breite und Tiefe wird das postpädagogische Projekt »Unterstützen statt erziehen« vorgestellt. Es gilt nicht nur in Bezug auf Kinder – auch Eltern brauchen nicht bessere Mütter und Väter zu werden. Sie sind wie ihre Kinder wunderbar, können sich lieben, so wie sie sind, und müssen gar nichts!

 

Aus meinem Buch "Kinder sind wunderbar! Unterstützen statt erziehen", S. 5