Unterordnen ist ja nicht das Problem. Das können wir oft genug problemlos, beiläufig. »Geh tanken« zum Auto? Da muss ich schon selbst ran und ordne mich dem Auto und seinem Spritdurst unter. Nur fühlt sich diese Unterordnung nicht nach Herabsetzung an.
Ein Auto tankt nicht selbst, es ist kein Tanke-Auto. Es setzt mich nicht herab, und ich fühle mich nicht herabgesetzt, wenn ich selbst tanke. Mein Kind räumt nicht auf. Es ist kein Aufräum-Kind. Es setzt mich nicht herab, und ich fühle mich nicht herabgesetzt, wenn ich selbst aufräume. Ist es so einfach? Für mich schon.
Merken, wer der andere ist? Und sich darauf einstellen? »Mein Mann liest morgens beim Frühstück die Zeitung. Das ist doch blöd, wo wir uns am Tag so wenig sehen.« Die Frau beschwert sich bei ihrer Freundin.
»Was willst Du denn?«, fragt die Freundin. »Er soll die Zeitung weglegen.« »Du willst Deinen Bernd ohne Zeitung?« »Ja klar doch.« »Es gibt aber keinen Ohne-Zeitung-Bernd, Du hast einen Mit-Zeitung-Bernd.« »Aber er braucht sie doch nur wegzulegen.« »Das tut er aber nicht. Willst Du ihm die Zeitung aus der Seele ziehen? Es gibt keinen Ohne-Zeitung-Bernd auf dieser Welt!«
Abends vorm Einschlafen fällt ihr die Lösung ein. Am Frühstückstisch fragt sie ihren Mann: »Was steht denn in der Zeitung?« »Auf den Satz habe ich lange gewartet«, sagt er und legt die Zeitung weg. Sie lässt ihn sein, wie er ist – da kann es gut vorkommen, dass er auf ihren Wunsch eingeht. Da kann es gut passieren, dass die Kinder tun, was man gerne hätte: Mit dem Rauchen aufhören, das Zimmer aufräumen …
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Aus meinem Buch "Kinder sind wunderbar! Unterstützen statt erziehen"," Seite 89

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