Montag, 18. Mai 2026

Ist da nur am Rande wichtig


 

 

Erwachsene sehen Kinder vor allem als Wesen, die werden, weniger als Wesen, die sind. Kinder wachsen und entwickeln sich. Wer sie jetzt sind, ist da nur am Rande wichtig. Wie lassen sich Kinder als Menschen erkennen, die jetzt schon real existieren mit genau diesen jetzt real existierenden Eigenschaften? Wer ist dieses Kind vor mir jetzt?

Ein NochEinBrotKind
Ein BinNichtMüdeKind
Ein ErzählMirEineGeschichteKind
Ein SchonFertigKind
Ein HundeRausgehKind
Ein LassMichInRuheKind
Ein IchHelfDirKind
Ein SagIchNichtKind
Ein FaxenMachKind
Ein DreckigeHoseKind
Ein GeldKlauKind
Ein IchEssDasNichtKind
Ein HändeWaschKind
Ein ZigarettenKind
Ein KlavierÜbeKind
Ein WieSpätIstEsKind
Ein BlumenPflückKind
Ein MeinZahnIstWegKind
Ein NaseputzKind
Ein BücherLeseKind
Ein MirIstKaltKind
Ein HabIchAberWohlKind
Ein WennEsSeinMussKind
Ein WiderworteKind
Ein IchHabDichLiebKind
Ein LügenKind
Ein DaumenLutschKind
Ein VerbotenesExtraTuKind
Ein SplitterRausziehSchreiKind
Ein MachNochEinenVersuchKind
Ein KriegIchNochEinEisKind
Ein ZuDünnAnziehKind
Ein VerboteneSüssigkeitenKaufKind
Ein FingernägelKnabberKind
Ein EndlostTefonierKind
Ein AufessKind
Ein BeimZahnarztDenMundAufmachKind
Ein WeihnachtsGeschenkeBastelKind
Ein SchwesterÄrgerKind
Ein EmpfindlicherMagenKind
Ein FrecheAntwortenGebeKind
Ein InsBettMachKind
Ein ToterHaseAnfassKind
Ein SmartphonAusstellKind
Ein SchonWiederApfelImBettEssKind
Ein MorgensZeitigAufstehKind
Ein ZahnspangenBenutzeKind
Ein BierTrinkKind
Ein NasseBadehoseAusziehKind
Ein KokelKind
Ein IchMöchteDasNichtKind
Ein IstMirDochEgalKind
Ein MamaBleibHierKind
Ein SpielsachenZerstörKind
Ein SchonWiederAufstehKind
Ein BaumSehrHochKletterKind
Ein TreppengeländerRuscheKind
Ein DiscoBesucheKind
Ein MitTierenBehutsamUmgehKind
Ein AnDerHandGehKind
Ein JammerUndGeschreiKind
Ein FährtVernünftigMitDemRadKind
Ein IchHabSchlechtGeträumtKind
Ein BruderSchlageKind
Ein TaschengeldSparKind
Ein DauerndWarumFrageKind
Ein IchZiehMichAnKind
Ein DasHabIchVergessenKind
Ein SchrankAufräumKind
Ein WoGehenWirHinKind
Ein KarateTrainingKind
Ein IchDuschMichKind
Ein FrühstücksbrotAufessKind
Ein SpielstDuMitMirKind
Ein MädchenSindBlödKind
Ein IchGehJetztLosKind
Ein DasSagIchAberMamaKind
Ein MedizinEinnehmeKind
Ein MachIchSpäterKind
Ein DankeSagKind
Ein IchEntschuldigeMichKind
Ein TobeKind
Ein DenToasterDochBenutzeKind
Ein NachtsNichtNachHauseKommKind
Ein GemüseEssKind
Ein BüchereiBücherRückgabeKind
Ein TretenBeissenKratzenSpuckenKind
Ein GutInDerSchuleKind
Ein DerHatAberMehrKind
Ein IchFreuMichAufKind
Ein DaranHabIchNichtGedachtKind
Ein AutoAnschnallKind
Ein AmeisenTottretKind
Ein WoIstMeinTeddyKind
Ein SonnencremeEinreibKind
Ein JungenSindDoofKind
Ein KicherKind
Ein WiesoDennKind
Ein KatzenFütterKind
Ein BringMirWasMitKind


 

Montag, 11. Mai 2026

Albert Schweitzer kam in unsere Schule




Wie viel will ich durchhalten, nicht aufgeben, noch nicht aufgeben? Wie viel Stehvermögen habe ich? 

Ich kam drauf, weil ich über Albert Schweitzer nachgesonnen habe, ich las grade eine Biographie über ihn. Nun, ich habe von ihm eine wirklich starke Kraft zur Ausdauer gespürt, als er mir begegnete, als wir uns über den Weg liefen. Und das kam so:

Am meinem 12. Geburtstag wurden wir Quintaner wie alle anderen Schüler meines Gymnasiums in die Aula gerufen. Es war Oktober 1959, und Albert Schweitzer, 84, war auf Europareise. Er besuchte Freunde in Mülheim an der Ruhr, meiner Heimatstadt, und ein Kind seiner Freunde war auf unserem Gymnasium. Kurz und gut: unser Direktor schaffte es, dass Albert Schweitzer in unsere Schule kam, just an meinem Geburtstag, eine Rede hielt und die grade fertiggestellte neue Orgel einweihte.

Ich saß wenige Meter von ihm entfernt, und viel wußte ich damals nicht von ihm. Ja, es gab die Stichworte Lambarene und Urwalddoktor, und die ganze Lehrerschaft war seltsam und unübersehbar respektvoll diesem alten Herrn gegenüber. Der zur Begrüßung in der ersten Reihe saß, danach vom Stehpult aus zu uns sprach, dann an uns vorbeiging zur Orgeltreppe und seine Musik zu uns sandte.

Nur, und das war es: Er hatte diese klare, von Herzen kommende Ausstrahlung: zu etwas zu stehen, zu sich zu stehen, zu dem eigenen Weg, das tun, was einem wichtig ist, sich davon nicht abbringen zu lassen. Eine grandiose Wucht. Von seiner Rede weiß ich nichts mehr, aber eben von seiner Botschaft. Sie hat mich damals erreicht. Und verstärkt, was auch in mir war: Durchhaltekraft und Glauben an sich selbst.

Natürlich macht das jeder mit sich aus, wieviel man durchhalten will und wann es genug ist. Und wieviel man an sich glaubt. Amication macht da keine Vorgabe, jeder ist wie stets sein eigener Chef. Aber im Zuge der Lektüre über Albert Schweitzer tauchte das alles auf, meine Erinnerung an ihn, an seine Botschaft, an seine machtvolle Würde. Er war, er ist ein großer Unterstützer meiner Unbeirrbarkeit und Durchhaltekraft. Es ist schön, dass das so passiert ist, dass ein Großer einem Kind über den Weg lief, dass ein Kind einem Großen über den Weg lief. 


Montag, 4. Mai 2026

Wie Feuer fährt es in den kleinen Körper

 

 

Unmittelbar nach der Geburt muss sich das Neugeborene den lebensnotwendigen Sauerstoff aus der Luft besorgen – durch das Atmen. Die neun Monate vorher nehmen sich die Embryos den Sauerstoff aus dem Blut der Mutter, das durch die Nabelschnur zu ihnen gelangt.

Traditionellerweise fühlen sich Erwachsene für Kinder verantwortlich, und so sind auch Arzt und Hebamme dafür verantwortlich, dass bei der Geburt die Umstellung von der Sauerstoffaufnahme aus dem Blut hin zur Luftatmung gelingt. Denn sie meinen, dass Babys dies nicht von sich aus können. Sie klemmen deswegen die Nabelschnur ab, machen einen Knoten und schneiden sie durch, kaum dass das Kind da ist. Und veranlassen es so zum ersten Atemzug, zur Luftatmung. 

Weil durch das Abklemmen der Sauerstoff ausbleibt, geraten die Babys in Lebensangst, reißen den Mund auf und stürzen mit dem ersten Atemzug eine Riesenmenge Luft in die noch zusammengefaltete Lunge, die sich plötzlich mit einem großen Ruck entfaltet - wie Feuer fährt es in den kleinen Körper, ein schrecklicher Schmerz! Er entlädt sich in wildem Schrei, dem ersten Schrei...

Doch keinem Baby muss aus Sorge und Verantwortungsgefühl Schmerz und Leid bei der Geburt zugefügt werden. Denn auch hier greift die Selbstverantwortung: Jeder neugeborene Mensch kann diese Umstellung selbst regeln, niemand muss dazu durch Abklemmen und Durchschneiden veranlasst, gar gezwungen werden. Es geht so:

Unmittelbar nach dem Geborensein wird das Baby auf den Bauch und die Brust der Mutter gelegt, nahe an ihrem Herzen. Die Nabelschnur wird jetzt nicht abgeklemmt und durchschnitten, das Kind somit nicht zur Luftatmung veranlasst, gezwungen. Denn auch wenn das Kind schon geboren ist, pulsiert das Blut noch einige Minuten lang durch die Nabelschnur von der Plazenta zum Kind und bringt wie alle Monate vorher mit jedem Herzschlag den benötigten Sauerstoff. 

Langsam, in eigener Regie, mit kleinen Atemzügen, kann sich das Neugeborene parallel zur Blut-Sauerstoffversorgung auf die Luft-Sauerstoffversorgung, die Atmung umstellen. Das Blut in der Nabelschnur wird dabei vom Körper des Kindes nach und nach vollständig aufgenommen, es wird zur behutsamen Entfaltung der Lunge und für den Lungenkreislauf benötigt. Die Nabelschnur wird schließlich leer und milchglasig und wird erst dann verknotet und durchtrennt. 

Bereits vorgeburtlich werden die Menschen zur Selbstverantwortung ausgebildet. Mit Hormonen, biochemischen Möglichkeiten und vielen anderen vom kindlichen Organismus selbst gesteuerten Prozessen regeln die Embryos ihren Nahrungs- und Sauerstoffbedarf, ihren Schlaf, ihre gesamte Entwicklung. Immer wieder entscheiden sie selbst, unendlich viele große und kleine Dinge in ihrem beginnenden Leben. 

Wann soll zum Beispiel die erste Bewegung erfolgen, mit dem Finger, der Hand, dem Arm, dem Bein, dem Kopf, dem Rumpf, dem Körper ... Und schließlich sind sie es, die ihre Geburt einleiten, nicht die Mutter oder gar der Arzt mit der Spritze: Nach etwa neun Monaten der Entwicklung spürt jedes Ungeborene selbst, wann der rechte Zeitpunkt gekommen ist, und der Embyo gibt den entscheidenden Hormonausstoß in den Körper der Mutter, um damit die Wehentätigkeit auszulösen. 

Alle Kinder kommen als hochwertig ausgebildete und trainierte Selbstverantworter auf die Welt, mit Selbstverantwortung ausgerüstet für ein gazes langes Leben. Sie rufen den Erwachsenen zu Beginn  zu: Ich bin für mich selbst verantwortlich! Das ist jeder Mensch, vom Anfang bis zum Tod! Ich habe es gut gelernt, für mich verantwortlich zu sein, es gehört zu meinem Wesen, zum menschlichen Wesen! Erkennt und achtet es!“