Mittwoch, 19. Oktober 2016

Klartext by Rousseau

In der modernen Pädagogik wird auf sanfte Durchsetzungstechniken
Wert gelegt, um dem Kind die "Einsicht" in die "Notwendigkeiten" -
das heißt allemal Erwachsenenvorstellungen - zu "erleichtern". Wie
"freundlich", "demokratisch", "partnerschaftlich" es dann "in
"Augenhöhe" mit "Ich-Botschaften" in "Kreisgespräch" und
"Rollenspiel" und in der "Familienkonferenz" und der "Lehrer-
Schüler-Konferenz" "menschenkundlich" und in "vorbereiteter
Umgebung" auch zugehen mag: die verheerende psychische
Herabsetzung des Kindes bleibt, da der pädagogische Erwachsene
nach wie vor - aus seinem Selbstverständnis heraus - die innere
Führung beansprucht und dem Kind die Fähigkeit, das eigene
Beste selbst wahrzunehmen, abspricht. Die heutigen "Freundlich-
keiten" kaschieren lediglich die bestehende grundlegende
Oben-Unten-Struktur, die Angriffe auf das Selbst des Kindes
und die psychische Missions-Aggression des Erwachsenen und
entziehen sie effektvoll der Thematisierung und Diskussion.

Diese "sanfte" Pädagogik hat lange Tradition. Schon der französische
Philosoph und Pädagoge Jean-Jacques Rousseau forderte 1760
in seinem Buch "Emile oder Über die Erziehung" (Reclam UB
901, 1963/2001, S. 265f.):

"Laßt ihn (den Zögling, H.v.S.) immer im Glauben, er sei der
Meister, seid es in Wirklichkeit aber selbst. Es gibt keine 
vollkommenere Unterwerfung als die, der man den Schein der
Freiheit zugesteht. So bezwingt man sogar seinen Willen ...
Zweifellos darf es (das Kind, H.v.S.) tun, was es will, aber
es darf nur das wollen, von dem ihr wünscht, dass es es tut."

Kommentare:

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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    1. ich bemerke grad hubertus dass ich in der bald gelöschten distanzhaltenden 3. person über dich und nicht zu dir geschrieben habe ... also deshalb ändere ich das jetzt ... mittlerweile weiss ich auch warum mir das " geschehen " ist ...

      2 version :
      christa20. Oktober 2016 um 07:44

      JA … diese feine und feinste unterscheidungsfähigkeit bin ich dabei wiederzurückzugewinnen … ich erinnere die theoriesitzungen bei den sommercamps bei denen ich fasziniert erkannte wann … wo … wie ich mit meiner interpretation des geschehens „ haarscharf daneben „ lag …
      Ich weiss dass ich letztendlich mir verdanke dass ich diese möglichkeit meine selbstliebe wiederzubeleben genutzt habe … ich weiss aber auch dass es dazu eines entsprechenden aussen bedarf … die begegnung mit ´dir hubertus und diese klarheit wie du dich und deinen weg für mich rüberbrachtest … diese qualität des kompromisslosen zu sich selbststehens … egal wie … UND dabei fühlen zu können dass du nicht gegen mich sondern aus LIEBE zu dir selbst agierst … DAS war und ist ein alles entscheidendes ereignis für mich … und dafür bin ich dir … bin ich mir … und allen die mit dabei waren und sind unendlich dankbar
      Ich bemerke immer wieder wie ich die pädagogischen prägungen meiner vergangenheit und die tatsächliche gegenwart in einer oben-unten welt immer noch und immer wieder auf s neue sehr herausfordernd und manchmal auch scheinbar überwältigend erlebe …
      mir selbst eine wirklich pädagogikfrei gefühlte ( also mich auch selbst nicht erziehenwollende ) haltung zuzugestehen und dann auch zu erlauben sie auszudrücken ist eine wie s scheint unendliche geschichte für mich …
      dieses zurückgeworfensein auf mich selbst in situationen in denen ich mich wie in der kindheit ohnmächtig den übergriffen einer mehr oder weniger „wohlwollenden“ äusseren welt ausgeliefert erlebe oder die zurückweisung meiner versöhnlich ausgestrecken oder um unterstützung suchenden hand alte wunden aufreisst … haben mir bewusst gemacht dass nur ich allein dieses licht der selbstliebe in mir am leuchten erhalte … nur ich … all-ein …
      und wenn ich es in euch … wie auch immer … widergespiegelt erlebe … und das ist so denn ich erlebe das aussen als spiegel meiner selbst … dann kommt freude auf … weil halt …
      alles liebe
      chri

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  2. Tach, Hubertus!

    Ich rate mal:
    Dieser Herr Jean-Jacques Rousseau bzw. dessen Menschenbild ist das Vorbild aller in der Werbebranche Arbeitenden. *floet*
    LG HaJo51

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  3. ... auch hier mag ich das Allesineinentopfschmeißen nicht.. ich weiß genau, was du meinst mit sanften Durchsetzungsmethoden und konnte oft genug kotzen, wenn ich das im Kita-Praktikumsalltag erlebt hab)... aber was du dann aufzählst, ist eben Handlungsebene erstmal und nur das.(Rousseau mal ausgeschlossen, bei dem in dem Fall die Motivation ja sehr klar erkennbar ist). wenn einer Familienkonferenzen abhält/ einführt, was weiß ich denn erstmal mit welcher Motivation er das tut und auch selbst wenn er sich nach wie vor im pädagogischen Land befindet oder noch oder wie auch immer... mag ich nicht urteilen darüber, ob er sich nicht doch ansatzweise im Begriff ist von seinem pädagogsichen Menschen- und Kinderbild zu lösen.. auf seine Art und Weise und in seinem Tempo, rantastend (vielleicht auch, indem er erstmal auf der Handlungsebene etwas ändert und dann etwas "bemerkt")..die Idee, sich so etwas auszudenken, wie Familienkonferenzen etc.. beruht aus meiner Sicht eben nicht NUR auf der Frage "wie erziehe ich mein Kind-möglichst sanft, aber dennoch dahin, wo ich es für richtig halte, es hinzukriegen"- sondern AUCH, wenn ich es konstruktiv sehen möchte, und das möchte ich, auf der Feststellung "so wie wir immer mit unseren Kindern umgegangen sind, ihre Rechte missachtet haben usw.. möchten wir nicht mehr mit unseren Kindern umgehen, was können wir ändern (Handlungsebene)?" Es steht schon ein veränderter Blick auf das Kind dahinter (ob der nun, wie gesagt, im Einzelfall zutiefst pädagogisch oder aber grade das nicht mehr ist, weiß ich nicht.. es ist erstmal ein Versuch der veränderten Kommunikation mit den Kindern.. und nochmal zu oben: wenn ich dann innerlich kotzen konnte ob der ganzen Kreissitzerei im Kindergarten und den Kindern vorgauckeln, man nimmt sie als vollwertiger Mensch wahr, nur um im ganzen Tonfall und Umgang ganz anderes durchscheinen zu lassen- dann hab ich immer wieder innerlich auch die Kurve bekommen, dass ich gedacht hab "naja, es ist ein Üben, ein wackeliger Gang in den Versuch, Kinder anders zu beHANDELN, diese Erzieherin jetzt hier hat das vielleicht konzeptmäßig aufgedonnert bekommen, was weiß ich..aber ich sehe schon, dass Bemühen und es wirkt auch hilflos irgendwie.. und dann auch: die Kinder checken das- in dem Fall- volle Kanne und sind dem haushoch überlegen/ reagieren da gar nicht drauf wie sie "sollen"- wie sagst du so schön "gemach, gemach"- die Kinder bekommen letztlich irgendwann so viel vorgeredet und vorgegauckelt, dass sie eine Wahl, eine Stimme haben, dass sie vielleicht irgendwann genau darauf bestehen werden.. (passiert ja auch oft genug und dann ist es den Erwachsenen auch wieder nicht recht) Das Familienkonferenzen,Kreissitzen,Patrizipation, was-auch-immer ist was für die Erwachsenen- wenn sie das so innerlich draufhaben (und ausstrahlen), bin ich sicher, kann das super sein-- sie haben aber den Blick oft woanders und denken sich, sie tun das für die Kinder--altes Thema.. blabla.. Liebe Grüße Mama Mia

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    1. Genau wie wir in unserer Demokratur mit unserer (angeblichen) "Freiheit" eingelullt werden, ist dies auch mit diesen "sanften" Erziehungskonzepten: die Kinder (genau wie wir) sollen nicht merken, wie sie verarscht werden. Und die meisten merken es tatsächlich nicht ...

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    2. Na, wie gut, dass es Menschen wie dich gibt, die überall den Durchblick haben und aufklärend tätig werden... ein Segen für die Menschheit ! :-)

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  4. dieses " die türe offenlassen " und dabei den anderen SOWOHL so zu sehen wie er grad ist ALS AUCH wahrzunehmen dass das nicht meins ist .... das ich aus deinen worten herauslese tut meiner seele gut .. ob du s so gemeint hast weiss ich nicht ;-)
    JA ...
    [Ich bin] ein Teil von jener Kraft,
    die stets sowohl das Meine will als auch das andere schafft. ...
    Ich bin der Geist, der stets bejaht! …
    Ganz bewusst ; denn alles, was entsteht,
    ist wert, daß es ist und wieder geht;
    Drum stimmt s so WIE s ist
    und stimmt s so WAS ist
    So ist denn alles GUT
    und ich bin frei jederzeit ALLES anders zu erleben und anders zu machen und / oder nicht
    im mehr oder weniger freudigen spiel der kraft und macht
    die ich bin
    ( frei nach JWvG )
    alles liebe christa

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    1. hab die anrede vergessen ... dich mama mia hab ich gemeint mit : " ob du s so gemeint hast weiss ich nicht ;-)"

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    2. Von wegen klarheit …
      Also bei all meinen post s sind mir ALLE antworten und beiträge willkommen … ich mag genau diese transparenz und unberechenbare komunikationsdynamik sehr … so ähnlich wie beim svt …
      auch wenn ich mich punktuell z.b. auf eine spezielle aussage einer person beziehe sind mir rückmeldungen und /oder mitteilungen aller mitleser willkommen …
      alles liebe christa

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    3. Zitat:
      "ich mag genau diese transparenz und unberechenbare komunikationsdynamik sehr … so ähnlich wie beim svt "

      Servus, christa!
      Ich hingegen mag die beiden von dir erwähnten Kommunikationsmerkmale nicht so besonders und deshalb war ich bisher auch noch nie bei einem SVT.
      Aber nicht nur deswegen nicht, sondern auch u. a. wegen meiner körperlichen Handicaps:
      1. Inzwischen sehr starke Sehschwäche beiderseits;
      2. Starke Hörbehinderung beiderseits (trage zurzeit Hörgeräte aus dem unteren Preis- u. Qualität-Segment).
      LG HaJo51

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    4. war schon wieder zu unaufmerksam und hab was vergessen und deshalb gelöscht zwecks eventuell besserer verständlichkeit
      hallo hans joachim willkommen im club der gesegneten ;-)
      alles liebe christa

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  5. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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