Samstag, 17. Dezember 2016

2050, 2100, 2200? III


Fortsetzung vom 14.12. Als ich mit meinen Kindern einmal in England war, haben wir auch den Tower und die dort ausgestellten Kronjuwelen besichtigt. Das Erlebnis von damals hat mich zu dem folgenden Wort-Bild in Sachen Schule inspiriert. Hier nun der dritte Post zur Schulthematik aus meinem Buch "Schule mit menschlichem Antlitz".

*

"Zukunft, 2215", Aquarell

London, im Mai 2215. Sie sind in den Ferien in England und kommen nach einem erlebnisreichen Vormittag zum Tower. Seit langer Zeit ist in dieser ehemaligen Trutzburg ein Museum eingerichtet, unter anderem sind die Kronjuwelen des britischen Königshauses dort dauernd ausgestellt. Doch diesmal gastiert eine Sonderausstellung, die für viel Aufsehen sorgt und die Sie sich nicht entgehenlassen wollen. Dort lassen sich "Werkzeuge der Schule des 20. Jahrhundert (1900-2000)" besichtigen.

Wie immer sind die Räume abgedunkelt, und die Besucher können im Kreis um die Exponate herumgehen. Das Besondere dieses Museums ist, dass man nicht stehen bleiben darf, wegen des großen Andrangs. Wer länger schauen möchte, muß dazu auf den rückwärts gelegenen Balkon gehen, der ebenfalls kreisförmig die Exponate umgibt. Nun, Sie sind im inneren Kreis und sehen, was es zu sehen gibt, und gehen langsam vorwärts. Flüstern ist im Raum, gespannte Aufmerksamkeit.

Sie sehen hinter dem Panzerglas einen länglichen Gegenstand, etwa zwei Hände lang, mit vielen Symbolen versehen und anscheinend beweglich, ausziehbar. Sie haben keine Vorstellung davon, was das sein könnte. Sie lesen die kurze Beschreibung: "Mathematik-
unterricht - Rechenschieber". Raunen umgibt Sie. Eine Frau liest aus dem Katalog: "Damit wurden die Kinder damals angehalten, ihre Gedanken in Zahlen zu zwingen und ihre Harmonie mit der Welt zu zerteilen. In Ad-die-ren und Sub-stra-hie-ren und Mul-ti-pli-zie-ren und Di-vi-die-ren." Und sie sagt, und damit spricht sie Ihnen aus dem Herzen: "Schrecklich!"

Sie wenden sich dem nächsten Exponat zu. Eine Stange. Sie ragt neben der Vitrine nach oben und ist fünf Meter lang. Was um alles in der Welt wurde denn damit gemacht? "Sportunterricht - Kletterstange" steht auf dem Etikett. Was ist eine Kletterstange? Ihr Nachbar erklärt: "Damit wurden die Kinder gezwungen, ihre Arme und Beine so zu bewegen, wie der Lehrer es wollte. Die Kinder mußten da hinaufklettern."  Sie sind entrüstet: "Die haben sie gezwungen, ihre Arme und Beine? Die Kinder konnten über ihren Körper nicht selbst bestimrnen? "Schule", sagt Ihr Nachbar, "Schule!"

Weiter geht es im Kreis. Nun sehen Sie ein Blatt Papier. Es enthält Sätze, aber diese Sätze sind voller Lücken. Was soll das? Sie lesen die Beschreibung für die Museumsbesucher: "Deutschunterricht - Arbeitsblatt zum Ausfüllen". Wieder verstehen Sie nichts. Sie hören, wie zwei andere Besucher kommentieren: "Mit diesen Papieren wurden die Kinder in die vorgezeichneten Bahnen der Sprache gezerrt. Es gab besondere Regeln, wie die Sprache benutzt werden mußte. Nichts erfolgte authentisch, so wie wir heute sprechen. Die Kinder mußten das, was sie sagten, analysieren und diesem System unterwerfen. Man nannte das 'Grammatik' und es gab so seltsame Teile wie 'Subjekt, Prädikat, Objekt'. Die Kinder mußten die gesamten Regeln kennen und durften ihre Sprache nicht einfach benutzen und lieben. Sie entwickelten Abscheu zu ihrer Sprache und zu ihren Gedanken, wegen all dieser Unterdrückung. Unvorstellbarl" Ihnen schaudert, als Sie sich vorstellen, dass Kinder in das Korsett von Sprachregeln gezwungen wurden. "Und darin soll ein Gewinn gelegen haben?" Ihr Nachbar stellt sich als Historiker vor und sagt: "Ja, es gab einen großen Vorteil - für die, die andere beherrschen wollten, die sie sich gefügig machen wollten. Ihr Mittel war, durch die Schule ihre Gedanken und ihre Sprache unter Kontrolle zu bekommen.«

Eigentlich reicht es Ihnen jetzt und Sie haben genug von der "Schule des 20. Jahrhunderts". Aber noch müssen Sie im Kreis weiter. Nun sehen Sie einen hölzernen Gegenstand. Es ist ein Kasten, mit runden Kanten, und mit einer Stange am oberen Ende, versehen mit Drähten. Das Ganze etwa armlang. Was ist denn das und was wurde damit gemacht? "Musikunterricht - Geige" lesen Sie. Sie schauen in Ihren Katalog:

"Die Geige war kein reguläres Werkzeug der Schule, sondern sie war der Disziplinierung von Kindern mit besonderer musischer und spiritueller Begabung vorbehalten und diente der 'Strategie der Demoralisierung'. Diese Kinder waren am Anfang ihres Geigentrainings stets vollauf begeistert und sie öffneten ihre Herzen. Doch diese Offenheit verflog rasch - aber sie hatten einmal eingewilligt und durften sich dann nicht mehr vom Geigespielen lösen. Denn mit diesem Gerät sollte die besondere Sensibilität dieser Kinder in die gewünschten Bahnen gelenkt werden. Man bediente sich akustischer Impulse (Töne), die von den Kindern selbst hergestellt werden mußten. Sie hatten die Finger ihrer linken Hand und den rechten Arm mit einem 'Bogen' in ganz bestimmter Weise zu bewegen, urn die gewünschten Frequenzen zu erzeugen. Fixiert wurde mit sogenannten 'Noten'. Und da die Experten auf diesem Gebiet derart schwierige Übungen vorschrieben, die von den allermeisten Kindern niemals korrekt ausgeführt werden konnten, war der Effekt die gewünschte Demoralisierung und das benötigte Minderwertigkeitsgefühl. Von der steten Unlusterfahrung, in einem hochsensiblen emotionalen Bereich etwas tun zu müssen, was man nicht will, ganz zu schweigen. Und die wenigen Begabten, die das wirklich konnten und gern machten, wurden all den anderen als Norm vorgehalten, und die Unerreichbarkeit dieser Vorbilder steigerte das Gefühl des Versagens."

Nun graust es Ihnen endgültig: Strategie der Demoralisierung? Herzen und Finger der Kinder zwingen? Der Katalog weist über 200 Exponate aus - erst vier haben Sie gesehen. Aber Sie brauchen Licht und Luft und sind froh, als Sie das Schild "Ausgang" sehen: Nichts wie raus hier! Draußen setzen Sie sich auf eine Bank und blättern im Katalog. Sie halten inne - und mit einem entschlossenen "Nein" werfen Sie den Katalog in den Papierkorb. "Banause" hören Sie jemanden rufen. Sie lächeln zurück.

*

Heute berichtete mir die Mutter eines Siebenjährigen von "Steinen". Die Lehrerin hatte den Kindern vor vier Wochen ein leeres Heft mit nach Hause gegeben. Sie sollten sich ein Thema aussuchen, darüber etwas ins Heft schreiben und illustrieren, und dann ihre Arbeit  in der Klasse vorstellen. Alle stellten gestern ihre Hefte vor. Anschließend wurden die Hefte auf einen freigeräumten Platz in die Mitte des Klassenzimmers gelegt. Alle konnten sich die Arbeiten noch einmal ansehen. Und sie dann so bewerten: Jedes Kind hatte einen kleinen Stein. Den legte es auf das Heft, das ihm am besten gefiel.

Es kam, wie es kommen mußte: einige Hefte hatten viele Steine, einige wenige, einige keine. Aber was hatte sich die Lehrerin um alles in der Welt dabei gedacht? Hatte sie in ihrer Ausbildung nicht ein Mindestmaß an Psychologie rezipiert? Hatte ihr die "gute Idee" den Blick auf das verstellt, was bei den Kindern ablaufen mußte? Strahlende Gesichter:" Ich habe viele Steine bekommen!". Wortloses Blicksenken: "Ich habe keinen Stein bekommen." Doch was geht hier im Untergrund, in der Seele ab? Konkurrenzdenken fördern. "Ich bin besser als Du, ich habe mehr Steine!" Versagungsängste fördern. "Ich habe keinen Stein und tauge nichts!" Angeberei in die Klasse tragen. Schlechte bestrafen und Minderwertigkeitsgefühle produzieren. Motivieren der Guten auf Kosten der Schwachen. Demotivieren von eh schon Schwachen. Dieses Steine-Werkzeug der Schule des 21. Jahrhunderts ist im Museum gut aufgehoben!

Die Mutter war entsetzt. "Mein Sohn hat erzählt, dass das schon seit der ersten Klasse so geht.  Er hat bis heute noch nichts davon erzählt - er nimmt das als Standard. Ich glaub's nicht!" Wann ändert sich etwas? 2050? 2100? 2200?

Kommentare:

  1. DAS ist es hubertus !
    so wie du veranschaulichst worum es geht erreicht es mich in den tiefsten tiefen meiner seele … auch in den wohlverschlossen gemeinten und „ sicheren “ kellerräumen …
    Gefühle die ich in meiner kindheitsnot in mir .. vor mir und der äusseren welt … versteckt gehalten habe melden sich .. nicht mehr unterdrückbar .. befreiend und doch auch beängstigend und schmerzvoll …
    Genau dieses erINNERn lösen deine texte bei mir aus hubertus … immer und immer wieder …
    Ganz oft .. wie jetzt auch … rinnen heisse tränen meine wangen hinunter und mein körper zuckt und schluchzt im lösenden fliessenlassen der zurückgehaltene energien … und ich wage es … im gefühl dass es da zumindestens einen menschen da draussen gibt der auch so unterwegs ist … mich wieder auf meine inneren wahrheiten einzulassen indem ich mich zu mir selbst befreie …
    Das ist wie s scheint ein langer prozess für den ich mich geöffnet habe denn ein eine menschheitsgeschichte langes vergessen und verdrängen ist offensichtlich bei mir nicht mit einem fingerschnippen verwandelt …
    Noch erlebe ich mich immer wieder in einem schwindelerregenden dilemma hin und her taumeln zwischen der draussengültigen allgemein anerkannten realität und meiner inneren einmaligen und einzigartigen subjektiven wahrheit …
    So wie damals als kind als ich mich in einer welt wiederfand in der menschen nur weil sie eine andere wirklichkeitserfahrung hatten eingesperrt und hinter gittern gehalten wurden … (mein vater war psychiater und so wohnte und wuchs ich innerhalb psychiatrischer kliniken auf …)
    Und deshalb bin ich so froh dass du diesen blog gestartet hast hubertus … für mich nun wie ein verlässlichlich sprudelnder quell an dem ich mich erfrischen kann … so lange er fliesst …
    DAS sehe ich ... „ oel ngati kameie „
    In euch allen da draussen …
    Eine … meine quelle des lebens …

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    1. Servus, christa!

      Was heißt denn dieses „ oel ngati kameie „ auf Deutsch?
      LG HaJo51

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    2. Aha!

      Naja, christa, ich kenne nicht viele Fremdsprachen. *verlegendreinblick*
      Lg HaJo51

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    3. lieber hajo ... das ist na´vi ... eine extra für den film avatar erschaffene fiktionale kunstsprache ... so wie esperanto .. die du im internet auch lernen kannst um dich wie auf Pandora ... der himmelskörper auf dem diese geschichte spielt .. zu unterhalten ..
      ich hab mir ja auch nur diesen einen satz gemerkt weil er für mich ein schlüsselsatz ist ...
      ausserdem war ich fasziniert dass für einen film eine eigene sprache erfunden wurde ...

      alles liebe christa

      amicatives verhalten und kommunizieren ist ja auch sowas wie ein wieder völlig neu zu erlernender code für viele ... wie von einem anderen stern .. ;-)

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    4. Zitat:
      "lieber hajo ... das ist na´vi ... eine extra für den film avatar erschaffene fiktionale kunstsprache ... so wie esperanto .." Zitatende

      Ach so ...
      Nun ja, christa, ich hatte mir heute den von dir verlinkten kurzen Avatar-Videoclip und auch einen danach folgenden weiteren Film-Ausschnitt angeschaut (den, bei dem jemand versucht, mit Pfeil und Bogen zu schießen).
      Da ich solche amerikanischen Science-Fiction-Filme generell voll doof finde, habe ich mich nie für dieses Avatar-Gedöns näher interessiert.
      Und nachdem ich bei dem o. g. Film-Ausschnitt gesehen habe, WIE das eine weibliche Avatar–Wesen auf den "Mit Pfeil und Bogen schießen"-Übenden reagierte (weil er noch nicht alles sofort richtig machte), habe ich mir dann auch gleich mal wieder meine betreffende Antipathie bzgl. amerikanische Kommerz-Produkte bestätigt.
      LG HaJo51

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    5. @ hajo

      auch für mich sind in diesem film szenen ja sogar ganze abschnitte der geschichte die ich in diesem ausmass SO nur als "notwendiges Übel" als dennoch stimmig erlebe ... ich kann ja das was ich wirklich wirklich will nur dann erkennen wenn mir klar ist was ich NICHT will ...
      du hast dir ja auch die filmszenen angeschaut und in dir dann abermals die bestätigung erlebt dass du ami-sci-fi-filme doof findest ... das ist auch eine art von "honigsaugen " für mich ...
      ich hab mir die dvd gekauft weil ich mir gerne NUR die scenen anschaue in denen mein herz tanzt ... und da gibt s es wirklich wirklich viele ...
      da ich die handlung ja jetzt kenne springe ich von einer honigszene zur nächsten ...und ich geniesse diese meine art mir filme anzuschauen ...
      ich wähle was mir gut tut ! ausser ich tu s nicht ... was eventuell wieder eine chance zur erkenntnisgewinnung und/oder xten dramaqueen inszenierung ist ...
      alles liebe
      christa

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    6. Zitat:
      "ich hab mir die dvd gekauft weil ich mir gerne NUR die scenen anschaue in denen mein herz tanzt ... und da gibt s es wirklich wirklich viele ... " Zitatende

      Servus, tanzendes Herz, alias christa!

      Ich habe auch gerade mal wieder Lust dazu, mein Herz tanzen zu spüren (ich biete bei Ebay bzgl. ganz bestimmter DVDs mit – alte Klassiker, die ich aus meiner Kindheit noch kenne).
      Übrigens:
      Mir ist kurz nach dem Absenden meines gestrigen Kommentars (23.31Uhr) eingefallen, dass ich doch einen amerikanischen Sci-Fi-Film als Favorit habe und zwar: Contact (USA 1997, mit Jodie Foster).
      LG HaJo51

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    7. hab gesten ARRIVAL gesehen und dabei ganz viel an CONTACT gedacht ...

      was für ein zufall ;-)

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  2. https://www.youtube.com/watch?v=A71gopP1SsY

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  5. Das mit den Steinen sehe ich völlig anders:
    Jeder kann sein Gefallen ausdrücken und legt einen Stein.
    Das Kind, dessen Heft viele Steine bekommt, freut sich.
    Das Kind, dessen Heft keinen Stein hat, nicht.
    WENN das Kind einigermaßen fit im Kopf ist (Sorry, aber ICH war das offenbar, jedenfalls in solchen Situationen!), dann sagt es zu sich (und wahrscheinlich auch anderen), dass aber ihm gefällt was es gemacht hat oder dass ihm die Aufgabe sowieso egal war. Und es lernt etwas über "Geschmack" im Allgemeinen und über seinen eigenen und kann Schlüsse und Konsequenten ziehen. Oder auch nicht. Wie es ihm passt.
    Ich sehe da KEINE der Attribute, die Du im Beispiel aufzählst!
    Im Übrigen kann ich den "Erkenntnissen" der Psychologiotie (und den damit ausgebildeten Verbreitern) im besten Falle ein Belächeln abringen, in weniger besten Fällen muss ich aufkommende Agressivität stark unterdrücken um nicht straffällig zu werden!

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    2. Jaja, Lili sagt Ähnliches ...
      Aber Schule ist ja generell so ... und dann finde ich es viiiiel interessanter und wertvoller, wenn alle anderen meine Handlungen oder Produkte bewerten, als wenn es eine einzelne dazu dauerberufene Person tut!
      Nicht, dass ich mich dadurch mehr bzw. überhaupt innerlich beeinflussen lassen würde – aber vielleicht aus taktischen Gründen äußerlich. Und Kinder handhaben das natürlich genauso.

      Mit "fit im Kopf" meine ich diejenigen, die wie beschrieben kalkulativ zu agieren vermögen – und das sind fast alle. Als Ausnahmen sehe ich bestenfalls solche, die eigentlich fit genug dazu wären, sich aber nicht trauen. (Verschrobene religiotische Moralvorstellungen lassen grüßen!) Die sind dann einfach zu doof fürs Leben und unglücklich. (Und werden später dann wahrscheinlich zu Fällen von psychologiotischen Klienten sowie "Therapeuten" – meist beides in einem.)

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    3. Hallo, www.eckstein-photography.de!

      Zitat:
      "Und Kinder handhaben das natürlich genauso."

      Nach welchem Ereignis handhaben Kinder das natürlich genauso?
      Oder anders gefragt:
      Nach welchem Ereignis stellen Kinder sich selbst die Wertfrage?
      HaJo51

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    4. Lieber ralph, wenn denn kinder so kalkulierend und von allem unbeeindruckt durch ihr leben stapfen, wäre die ganze “seelenfolterei“ durch schule u wie es donst so hier genannt wird, ja die ganze Diskussion darum, dass eine pädagogische haltung möglicherweise auf der seelenebene mindestens ungut ist, völlig unnötig..

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    5. Kann man ja alles so sehen o glauben.. ich glaub es anders... oder erleb es anders

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    6. Hi Hajo,
      ich behaupte, Kinder (genau wie Entwachsene) handhaben das Kalkulieren nach fast jedem "Angriff" auf sie (oder andere). Ein Beispiel ist ja das mit den Steinen: ein Kind bekommt keinen Stein und ist darüber enttäuscht; entweder es sagt gar nichts dazu (= Hoffen auf Übersehen und/oder Vergessen), oder es macht Witze über andere (= Ablenken), oder es sagt, welches Heft es besonders schön findet (= entweder wirklich an anderen interessiert, oder ebenfalls Ablenken), oder es ist ihm egal (= "Was interessiert mich so 'ne doofe Aufgabe! Aber ich kann ja mal so tun, als sei ich enttäuscht."), etc. ...
      Gerade letzteres kenn ich von mir selber ganz gut ... und wenn dann noch paar Tränen herausgepresst werden, funktioniert das bestens.
      Jedenfalls kann ich mich an keine "innere Not" in solchen Situationen erinnern, weder bei mir, noch bei meinen damaligen Freunden und Freundinnen. (Aber vielleicht bin ich halt auch bloß nicht empathisch genug.)
      Als einziges Gegenbeispiel fällt mir im Moment ein Kind (Mädchen, 42 Jahre alt) ein, das in der Berufsfachschule aus vollem Herzen geweint hat, weil es statt der erwarteten 1 lediglich eine 2+ in einer Englisch-Arbeit bekam. Sie war meine Nebensitzerin und wollte unbedingt eine 1 im Zeugnis.)

      Dass sich Kinder jemals die wertfrage stellen, scheint mir absurd! (Allerdings bekomme ich immer wieder von Verwachsenen erzählt, dass es ihnen in der Kindheit so ging ... fast immer Mädchen ...)
      Für mich jedenfalls ganz und gar nicht nachvollziehbar.

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    7. Liebe Jule,
      den Begriff "Seele" finde ich ja auch völlig daneben.
      Als Radikaler Materialist gibt es für mich nichts vom Physischen abgetrenntes.
      Auch der Begriff "Geist" im Sinne des Idealismus oder des Dualismus ist für mich wertlos. Alles beruht auf physischen und chemischen Vorgängen im Körper und manifestiert sich im Gehirn als Empfindungen und Gedanken.

      "Die ganze Diskussion um pädagogische Haltungen" finde ich trotzdem nicht "völlig unnötig", weil:
      – Die Idee, dass Kinder Erziehung benötigen, ist Grundstock und Rechtfertigung für die Entrechtung von Kindern.
      – Diese Entrechtung führt zu Ärger und Stress – dieser ist ungesund und behindert zusätzlich.
      – Die Ohnmachtssituation führt dazu, dass Kinder (meist kalkulativ!) angepasst werden und als Zerwachsene meist auch so bleiben.
      – Sozialität und Kreativität werden zerstört.
      – (mehr fällt mir gerade nicht ein, aber etc. etc. etc.)

      Mit einem "Seelenleben" hat dies für mich nix zu tun.

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    8. Das was du oben bei der stein Situation beschreibst ist die Reaktion nach aussen auf einen angriff... nicht was innen abgeht...ob man nun seele als Begriff nutzen will o nicht... aber ich seh, da bist du so dermaßen auf einem anderen Planeten unterwegs,dass man sich mit nem guten Teleskop u gutem Willen, den wir ja haben, mal freundlich zuwinken kann...

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    9. Ich beschreibe die innere Situation (Enttäuschung / anderweitiges Interesse / kein Interesse) und die folgende Reaktion nach außen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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    10. ja, für dich ist da nicht mehr und nicht weniger :-) oder auch nicht vorstellbar, dass da für andere mehr oder weniger abläuft.. für mich schon.. das meine ich --lg

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  6. Ralph … ich sehe noch andere variationen wie ich diese steine- geschichte interpretieren und erleben kann ausser in der von dir beschriebenen form nur kalkulativ zu agieren und/oder aus angst dem äusseren druck gehorchend zu reagieren …
    Es gibt auch eine entscheidungsinstanz in mir die nicht ausschliesslich linkshirnig … also den rationalen entweder-oder- kriterien folgend zu einer „ handlungsimpuls-freigabe „ kommt … sondern eben intuitiv … eher rechshirnig und weniger oder garnicht kalkulativ …
    Und … es gibt in meiner wirklichkeit mindestens noch eine dritte möglichkeit … eine perspektive die sich erlaubt BEIDES zu sehen und als möglichkeit anzuerkennen … dann allerdings ohne angst und ganz bewusst zu einer handlungs bzw. nichthandlungsentscheidung kommt die ich eine „herzensentscheidung“ nenne …
    (So etwas ähnliches hab ich vor kurzem bei hubi s vortrag in wien erlebt )
    Dass die wissenschaft das mittlerweise durch messungen belegen kann tut mir gut ( z.b. http://www.heartmath.com/research/ ) und bestätigt mein erleben
    Wie gut dass es da schon vorher den kleinen prinzen in meiner welt gab der dem fuchs aufmerksam zuhörte als der ihm erklärte : man sieht nur mit dem herzen gut !
    Dass ich nach dem schlaganfall erlebte dass meine logischen verstandesfunktionen durch diese massive blutung nicht mehr wie gewohnt funktionierten und ich DENNOCH eine sehr klare wenn auch sehr andere wirklichkeitswahrnehmung hatte ist ein geschenk dass ich mir nun mehr und mehr erlaube auszupacken und mit anderen zu teilen …
    Mich interessiert was diese lehrerin wohl tun würde wenn ein kind sein heft nimmt auf seinen platz geht und sich der ganzen steinegeschichte entzieht …
    Ich unterstelle ihr nämlich ein mögliches erstauntes … ein sehr erstauntes anfangs auch etwas entrüstetes aufschauen und dann aber ein kurzes innehalten und schlussendlich anerkennendes amüsiertes zuzwinkern … weil sie sich plötzlich an eine situation in ihrer eigenen kindheit erinnert .. und auch wenn sie nicht weiss weshalb das kind da nicht mitmachen will zulässt dass dieses kind ganz offensichtlich nicht von allen bewertet werden will ..
    zu hause fühlt diese lehrerin dann nochmals in sich hinein ob sie so eine situation überhaupt nochmals anleiern will … und entscheidet eventuell anders für s nächste mal …
    Wäre ja möglich ! ;-)
    Alles liebe
    christa

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    1. Servus, christa!

      Zitat:
      "… und entscheidet eventuell anders für s nächste mal …
      Wäre ja möglich ! ;-)" Zitatende

      Ja, dies wäre möglich.
      Hubertus hat 's ja damals so gemacht.
      LG HaJo51

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    2. JA hajo ... ;-))

      ich mach mir die Welt,
      widewide wie sie mir gefällt.

      wann immer es mir möglich ist auch im aussen ... im innern sowieso ... ausser ich tu s nicht ;-)

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    3. Hallo Christa!

      – Die Sache mit den beiden Gehirnhälften ist ein Mythos und schon lange widerlegt!
      – Das Herz ist ein Muskel, sonst nichts. Es ist IMMER das Gehirn, das Empfindungen regelt (und manchmal, auch sinnvollerweise, suggeriert).
      – "HeartMath" ist eine weltweit agierende Eso-Abzocker-Firma und hat Null und Nix mit Wissenschaft zu tun.
      – Den Kleinen Prinzen mochte ich noch nie – hatte für mich schon immer etwas Missionarisch-Abstoßendes.
      – Deute ich richtig, dass Du VOR Deinem Schlaganfall (kalkulativ) angepasst warst, und Dich erst jetzt ("wo alles egal ist"??) traust, aus Dir herauszugehen?
      – Deine positive Erwartungshaltung gegenüber dieser Lehrerin in Ehren ... aber für mich ist das Glas sicherheitshalber immer halb leer. Seltene freudige Überraschungen sind mir lieber als häufige Enttäuschungen.

      So, ich hoffe, Du nimmst Dir meine offenen Worte nicht allzusehr "zu Herzen"!

      Lieben Gruß
      Ralph



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    4. @www.eckstein-photography.de

      Zitat:
      "– Den Kleinen Prinzen mochte ich noch nie – hatte für mich schon immer etwas Missionarisch-Abstoßendes." Zitatende

      Es ist schon so lange her, als ich das betreffende Buch mal in meinen Händen hatte. Habe damals mehrmals reingeschaut, aber bisher nicht verstanden, was an dem kleinen Jüngelchen so besonders sei. Und sprechende Füchse sind mir auch sehr suspekt.

      Ich warte mal ab, wann ich das Buch irgendwann mal wieder in meinem Bücher-Archiv wiederfinde. Dann werfe ich nochmal einen Blick rein.
      Denn zumindest sind schöne Zeichnungen drin (erinnere ich mich vage).
      LG HaJo51

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    5. hallo ralph
      ich hab dir eine ausführliche antwort geschrieben und beim absendenwollen .. wiedermal .. was vermurkst ..
      tja da sind wir beide wohl wirklich in scheinbar unvereinbaren wirklichkeiten unterwegs ... nicht nur bezüglich meiner sehr ungewöhnlichen postbigbangerfahrungen ..
      dass mir deine wirklichkeitswahrnehmung nicht ganz fremd ist .. sondern nur halt nicht mehr die meine .. macht s mir offensichtlich leicht nicht dagegenhalten zu wollen ...
      ich hab mir deine offenen worte sehr wohl zu herzen genommen und dich möglichweise grad dadurch paradoxerweise empathisch mitfühlend erlebt ... was du ja irgendwo in einem anderen post ja selbst als möglicherweise nicht genügend bei dir vorhanden erwähnst ...
      ein beispiel mehr dass wir beide völlig anders ticken ... du scheinst eher eine mechanische uhr zu sein und ich eine lichtenergie betriebene ... ;-) ... ticken elekronische uhren überhaupt ?? ... schlechtes beispiel also :-(
      ich lass jetzt gut sein ... im wahrsten sinn des wortes ..

      alles liebe und danke für dein antworten

      ich seh dich jetzt klarer ...

      christa

      ach ja ... und JA ... seit dem schlaganfall trau ich mich mehr mich zu zeigen und nicht mehr zu verleugnen ... unter anderem auch dadurch dass ich mir erlaube das halbgefüllte glas mal als halbvoll mal als halbleer zu erleben ..abhängig vom inhalt und situation .. halbvoll mit köstlich frischem quellwasser wenn ich durstig ... halbleer wenn ekliges kontrastmittel drin ist dass ich bereit bin für eine notwendige untersuchung zu schlucken ...

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