Samstag, 10. Dezember 2016

Wo ist das Maggi?


Ich besuche meine Mutter. Zum Mittagessen nimmt sie einen Schuss Maggi, und zwar immer. Heute Mittag: "Wo ist das Maggi?" Das Maggi ist weg. Nicht auf dem Fensterbrett, nicht im Küchenschrank rechts, nicht im Küchenschrank links. Zauberei. "Ich kauf Dir nachher eine neue Flasche." Das will sie aber nicht. "Das Maggi taucht schon wieder auf." Ich kauf es trotzdem.

Und denke an der Kasse nach: Gehe ich zu weit? Bin ich übergriffig? Sie will doch kein neues. Ich finde aber, dass es da sein soll. Weil sie es jeden Tag hat. Ich mache mir also ihre Gedanken. Was ich oft tue: Mir Gedanken darüber machen, was für andere gut ist. Na ja, es sind meine Gedanken, diese Deine-Gedanken. Ich bin doch nicht altländisch-oben-unten unterwegs, rede ich mich raus. Außerdem und trotzdem und sowieso: habe ich nicht recht? Tja, da bin ich doch mal wieder im Alten Land unterwegs. Oder ist es nur meins, nicht Deins, was hier abgeht? Ich krieg das alles mit, an der Kasse, und nehm es mir nicht übel. Schmunzel über meine Besserwisserei. Wenn sie denn eine ist!

Wenn ich den anderen nicht in Ruhe lassen kann, wenn ich es für ihn so einrichten kann, wie es gut für ihn ist - besser als er das selbst weiß. Was spielt sich da ab? Warum lasse ich die Kinder nicht so hoch klettern, wie sie wollen? Warum nehme ich für Dich einen Schal zum Spaziergang mit? Warum bringe ich Mon Chéri und keine Rose mit, wenn ich nach Hause komme? Oder doch lieber die Rose? Ich bin verstrickt in dieses feine oder grobe Netz, das mich zu Dir sehen läßt in dieser Kümmerei. Nehm ich Dir dann etwas von Deiner Würde? Ist das ein Oben-Unten? Oder bin ich nur achtsam, so wie es gut ist zwischen uns? Wie bin ich denn unterwegs?

Wenn wir das immer wüßten! Weshalb also kauf ich das Maggi? "Mach Dir keine Gedanken, kauf es einfach." Na gut. Ich stelle das Maggi beim Abendessen auf den Tisch. "Danke, aber wär doch nicht nötig gewesen." "Na ja", sag ich.

Kommentare:

  1. ich mag deine alltagsgeschichten und wie du sie erzählst ... da klingt eine spielerische leichtigkeit an in mir die einfach wohltut ... manchmal sogar wenn ich grad als " dramaqueen" unterwegs bin ... so ein lächeln unter tränen hat eine besondere qualität ...
    ach hubi ... deine texte sind oft zaubertrank für mich !

    alles liebe christa

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    1. Mich an dein :
      Zitat : …"Mach Dir keine Gedanken, kauf ( bzw tu oder auch nicht ! meine ergänzung ) es einfach." Na gut …
      aus deinem post zu erinnern hat mir heute geholfen mich aus der schreckstarre einer realen dilemmasituation zu befreien …
      mir zu erlauben mir keine gedanken mehr zu machen lässt mich die stimme meines herzens wieder hören ... DAS meine ich mit dem zauber und der magie ...

      wie ihr bemerken könnt entschwindet mir diese " easy going einfach so - weil halt qualität " immer wieder ...

      tja ... is so ;-)

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    2. ... Wo ist das maggi ? wo ist die magie ?
      Magisches maggi … MAGGI magie … kein wunder dass deine mama es liebt ;-) … wundert s da noch dass du es ihr ungefragt mitbringst ? mich nicht ;-)
      beim einkaufen am gewürzregal vorbeigehen und /oder nur dran denken wie jetzt …. und schon ist ein lächeln in meinem gesicht …
      Gott wohnt wieder in den kleinen dingen … auch dank dir hubi ;-)

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    3. Zitat:
      "MAGGI magie …"

      *schmunzel*
      Eine coole Assoziation hast du dir da ausgedacht, christa.
      LG HaJo51

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  2. Hallo, Hubertus!

    Damals, als ich ein junger Mensch war, wusste ich immer, wo das Maggi in der Küche meiner Eltern stand. Und nicht wenige Male hatte ich heimlich von der kleinen Maggi-Flasche genascht, weil Maggi diesen einzigartigen Geschmack hatte.

    Wie das Maggi heutzutage schmeckt, weiß ich nicht, denn in meinem Single-Haushalt koche ich schon lange nicht mehr.
    Beim nächsten Einkauf werde ich dennoch mal schauen, ob der von mir bevorzugte Supermarkt kleine Maggi-Flaschen anbietet.

    Hat sich denn später aufgeklärt, wohin die betreffende Maggi-Flasche verschwunden war?
    LG HaJo51

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  3. Das mag ich, weil es wirklich und direkt persönlich ist, menschlich daherkommt u nicht “guru“-mäßig...keine abwertungen oder das,was für mich so klingt... im eigenen Kosmos bleibend, folgerichtig irgendwie, wenn man glaubt/erzählt jeder erzählt immer nur von sich..

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