Samstag, 16. Juni 2018

Kinderforschung: Bericht (5) - Beginn, Weg, Land








In unregelmäßigen Abständen poste ich Texte aus meiner Dissertation, meiner "Kinderforschung".(Die Schriftbilder bei der Übertragung vom Original in den Blog bekomme ich grade nicht gut hin.)

Erst ein aktueller Vorspann zum besseren Verstehen:

In diesem Abschnitt befasse ich mit den Kategorien (die ich "Sachen" nenne), die bei meiner Forschung eine Rolle spielen. Also, ich bin in meiner Forschung gestoßen auf:

1. Young-People-Code. Bedeutsam, dass es ihn überhaupt gibt, dass ich ihn überhaupt wahrnehme. Yong-People-Code meint: Kinder haben eine eigene Weltsicht/Weltdeutung/Weltwahrnehmung, die sich von der Weltssicht/Weltdeutung/Weltwahrnehmung der Erwachsenern unterscheidet.

2. Einstieg. Einstieg des Weges zu den Kindern, zu ihrem Code, zu ihrem Land. Wo beginne ich, wenn ich mich auf den Weg zu den Kindern mache? Wo beginnen andere? Welche Tür in mir muss ich finden und öffnen, wenn ich den Weg zu den Kindern gehen will? Ohne diesen Einstieg findet man den Weg zu den Kindern nicht, geschweige denn ihr Land und ihren Code. Jeder Erwachsene geht irgendwie "selbstverständlich" mit Kindern um. Nur: so "selbstverständlich" ist das eben nicht, wenn man die Kinder wirklich (was ist das?) erreichen will. Zum Vergleich und als Erinnerung: Der "selbstvertändliche" Umgang der Männer mit den Frauen, des Menschen mit der Natur...Wir haben viel dazugelernt und uns in die eigenen Welten anderer einfühlen können. Erst mal davon ausgehen, dass es sie gibt, dann sich dahin aufmachen...

Einschubbemerkung: Code und Land: etwas unklare Gemengelage. "Land" ist allgemein die Welt, in der die Kinder leben, erkannt als eigene Welt, die physisch dieselbe ist wie die Erwachsenenwelt, die aber psychisch ihr eigene Kinder-Ausprägung hat. "Code" ist ihre Sicht/Deutung/Wahrnehmung von dem, was in ihrer Lebenswelt geschieht.

3.Weg. Wie sieht der Weg zu den Kindern aus? Was gilt, wenn ich mich zu den Kindern aufmache? Was muss ich beachten, wenn ich ins Kinderland kommen will? Und nicht doch irgendwie in Erwachsenengefilde abbiege, mich im Erwachsenengestrüpp verheddere und mich dort nicht lösen kann?

4. Land. Das Kinderland daselbst. Den Code bemerkt (dass es ihn gibt), den Einstieg in mir gefunden, den Weg gegangen und nicht verfehlt und zum Schluss das Eingangstor ins Kinderland durchschritten, angekommen.

5. Erleben. Was erlebe ich bei den Kindern? Was geschieht mit mir im Kinderland? Kann ich überhaupt ihre Sprache lernen? Und sprechen? Und was stellen sie mit mir an? Was macht das alles mit mir, wenn ich im Kinderland unterwegs bin? Könnte ich mich auch/gar verlieren?

6. Berichten. Was berichte ich von meinem Erleben? Kann ich überhaupt berichten? Welche Sprache, Worte, Sätze, Sprachbilder, Gedichte? Wie transportiere ich das Erlebte - allemal mein subjektives Erlebtes - in die Welt der Erwachsenen?


*


   O.k. - wenn das Phänomen des Young-People-Codes, seine Existenz, ein Punkt meiner Arbeit ist, dann kann die Beschreibung dieses Codes ein weiterer sein. Da werde ich nur Schlaglichter in dieses unbekannte Land werfen können. Fotos, die ich eingefangen habe. Aber immerhin: Ich habe Fotos gemacht, so, wie es jetzt Bilder vom Mars gibt. Wie es dort tatsächlich aussieht, LIFE, das ist eine Sache, die jeder dann schon selbst tun muss. Und damit bin ich bei einer dritten Sache: WIE kann man Zugang zu diesem Code finden? WIE kann man damit anfangen? Ich kann Aussagen darüber machen, wie ich den Einstieg gefunden habe - das ist eine vierte Sache. Die Beschreibung des Weges dorthin, nachdem der Einstieg, der Beginn gefunden war (vierte Sache), wird die dritte Sache sein. Und eine Konstante, die ich in allen Punkten immer wieder aufgreifen werde: Dies ist das, was ich dabei in mir erlebt habe, Ärger, Stress, Freude usw.  

    Überhaupt: Beginn - Weg - Land, das ist etwas, das von mir unabhängig existiert. Das ist das Objektive an meiner Arbeit: Dies wird jeder nachvollziehen, nachmachen, ebenso finden können. Wie es mir dabei erging, bei der Suche nach dem Beginn, auf dem Weg, beim Verweilen in ihrem Land - und dann auf dem Weg zurück und der Rückkehr im Erwachsenen-Code: Das ist eine wichtige Sache. Vielleicht wird erst dadurch, dass ich mich dabei mit ins Spiel bringe, wenn ich darüber schreibe, nachvollziehbar werden für an­dere Erwachsene Menschen, wie das mit dem Beginn, dem Weg, dem Aufenthalt und der Rückkehr ist. 


    Fortsetzung folgt (unregelmäßig)





Donnerstag, 14. Juni 2018

Kinderforschung: Bericht (4) - Die zwei Codes








In unregelmäßigen Abständen poste ich Texte aus meiner 
Dissertation, meiner "Kinderforschung".
(Die Schriftbilder bei der Übertragung vom
Original in den Blog bekomme ich grade nicht
gut hin.)


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Sie sind irgendwie zu Hause, sie kennen sich aus. Alles hat seinen Sinn, alles ist verstehbar, alles hat seine bestimmte Bedeutung. Es gibt unter ihnen einen Konsens, was das für Bedeutungen sind. Es ist das Wissen und das Verstehen der gleichen Sprache, das Le­ben im gleichen Land, in der gleichen Kultur.


                "Was bedeutet das für Dich?"     - dies ist eine meiner Einstellungen gewesen, wenn ich mit ihnen zusammen war. Jeder Mensch weiß, was dies und das für ihn bedeutet. Wenn er es auch mal nicht versteht und Angst davor hat - aber die Bedeutung, der Sinn (der auch den Nicht-Sinn mit einschließt) ist gegeben. Man kann sich der Bedeu­tung nicht entziehen.

   Erwachsene haben ein System, leben in einem System, in dem die Bedeutungen der anderen Erwachsenen erfassbar sind - auf breiter Front. So, dass der andere einem nicht wie ein Marsmensch vorkommt. Bei einem Angehörigen eines von der Zivilisa­tion unentdeckten Urwaldstammes hätten wir da unsere Schwierigkei­ten. Aber: Wo gibt es das auf der Welt? Wir sind längst eine uni­versale Gemeinde. Erwachsene sprechen da einen Code,der sicher ist und das Gefühl bringt, "Von gleicher Art" zu sein.


   Zunächst gibt es den Grown-Up-Code, den wir alle kennen, der unsere Basis ist.


   Nun, es gibt dann neben diesem Code noch den anderen, der ganz genauso universal verbreitet ist und die gleiche Funktion hat: Der Young-People-Code.


    Ich habe eine ganze Menge zu diesem Phänomen der verschiedenen Codes - oder wie immer man das ausdrücken will - aufgeschrieben. Es war faszinierend. Und ich habe dabei mit einem Gegner zu tun gehabt, der mich hat zögern lassen, diese Verschiedenartigkeit zu konstatieren:
   Es gibt so eine "progressive Einstellung", die sich gegen die Einteilung in Erwachsenenwelt und Kinderwelt wehrt, weil Kinder dabei in ein Niedlichkeitsghetto abgeschoben werden, weil den Kindern dadurch abgesprochen wird, wie die Erwachsenen Bela­stungen, Rechte usw. zu haben. "Kinder leben in ihrer eigenen Welt"    _  das ist irre missbraucht worden, um zu ignorieren, zu herr­schen. Mit der Folge einer auf dieser Einteilung basierenden Ver­niedlichungs-Unterdrückungs-Kommunikation, die die Jungen Menschen völlig verfehlt. Da gehe ich mit dieser neuen Einstellung ja kon­form - DIESE Kinderwelt ist Quatsch. Aber (und hier liegt mein Un­terschied): Trotzdem bin ich auf die andere Art zu leben gestoßen, auf diesen anderen Code.


Fortsetzung folgt (unregelmäßig)