Mein Enkel hat Geburtstag. Ich stehe unschlüssig vor dem Schaufenster des Spielwarengeschäfts. »Worüber denkst Du nach?« Mein Freund ist mitgekommen. »Teddy oder Lego«, sage ich, »ich kann mich nicht entscheiden.«
»Wie alt wird er denn?« »Drei«, antworte ich. »Das kann doch nicht so schwer sein«, sagt er. Er überlegt: »Was ist denn in dem Alter gut für seine Entwicklung?« Gute Frage! Was sagen Pädagogik, Entwicklungspsychologie und Hirnforschung?
Mein Enkel steht plötzlich neben uns. Er ist empört. »Wie denkt Ihr denn über mich? Ihr wisst, was gut für meine Entwicklung ist? So was steht in den Büchern? Darüber gibt es Konferenzen? Das läuft an den Universitäten? Habt Ihr sie noch alle?«
»Ich bin doch kein Objekt Eurer geistigen Begierde! Ich bin ein Mensch mit Würde und habe eine Würdekrone! Lasst den Unsinn. Und schenkt mir das, von dem Ihr meint, dass es mir Freude macht.«
Ich mache mir schon Gedanken darüber, was für andere Menschen und für meine Kinder und ihre Entwicklung gut ist. Ich lese Bücher, diskutiere mit Fachleuten und besuche Konferenzen. Aber der ganze Blick dabei ist – anders. Ich nehme keine objektivierende expertenhafte Haltung ein, sondern bin subjektiv unterwegs, von Person zu Person.
Und ich möchte auch nicht, dass da – wann und wie auch immer – Experten mich ungefragt beäugen und »objektiv« über mich befinden. Niemand will das, auch kein Kind.
Aber ist »Unterstützen statt erziehen« denn nicht gut für Kinder? Wer kann das wirklich wissen! Es ist ein Weg zu den Kindern. Es ist mein Weg zu den Kindern.
Ich überlege, welches kleine Geschenk ich meiner Frau mitbringen könnte. Stopp an der Tankstelle. Mon Chérie oder Rose? Ich bin unschlüssig, streife durch die Regale. »Was suchen Sie?«, fragt der Kassierer. »Ich weiß nicht, ob ich meiner Frau Mon Chérie oder eine Rose mitbringen soll.«
»Ja«, sagt er, »schwere Entscheidung.« Ich nicke. »Bringen Sie ihr doch das mit, was gut für ihre Entwicklung ist.« Aber keine Sorge, das Gespräch gibt es nicht. Ich schenke ihr das, worüber sie sich wohl am meisten freut.
*
Aus meinem Buch „Kinder sind wunderbar! Unterstützen statt erziehen“, S. 109f.

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