Montag, 15. November 2021

Mika und David

 

 

Ich bin zum Arbeitsbesuch in meiner alten Wohnung. Ich räume die beiden Kammern auf dem Dachboden aus, es sind unzählige aussortierte Bücher, Teppiche, Matratzen und viel Haushaltskram von früher durchzusehen. Morgen soll endlich das zur Müllstation, was nicht mehr zu gebrauchen ist. Aber wie schaffe ich es, die vielen schweren Kartons und Co aus dem dritten Stock nach unten zu bringen? Alles soll dort im Parterreflur parat stehen, morgen habe ich einen Transporter, mit dem ich die Sachen wegbringen kann.

Ich mache eine Pause und fahre ein bisschen durch die Felder. Zwei Jungen, so um die 16, 17 fahren vor mir auf ihren Rädern, ich überhole sie. Tja, wenn die mir die Kartons tragen würden... Da halte ich auch schon an. „Hallo Ihr zwei, ich habe mal eine Frage...Kartons...3. Etage…halbe Stunde Arbeit...50 Euro...“ Sie verstehen mein Problem, sehen sich kurz an, dann sagen sie spontan ja. Ich bin begeistert! Und erkläre ihnen den Weg, sie kennen sich aus, sind aus dem Dorf.

Gehört sich das? Fremde Kinder ansprechen? 50 Euro anbieten? Tja, eigentlich nicht. Aber ich habe meinem Gefühl vertraut, wie immer, wenn ich etwas Außernormiges vorhabe. Es dennoch probiert. Ich brauchte Hilfe – ich habe mich an jemanden gewandt. Nicht leicht, aber ich habe mich getraut und die Etikette beiseite geschoben. „Könnt Ihr mir helfen?“

Nicht nur die Jungen anhalten und anquatschen, auch die 50 Euro waren eigentlich zu viel. Man kann Kinder doch nicht mit Geld anlocken... Auch da habe ich die Etikette beiseite geschoben. Die 50 Euro waren stimmig. Und ich will ihnen auch eine Freude machen. Unverhoffte 50 Euro sind für junge Burschen schon eine kleine Ansage, für eine halbe Stunde Arbeit am Sonntag Nachmittag.

Es hat alles gepasst. Sie waren achtsam mit meinem Kram, alles war dann gut unten verstaut.

Zu Beginn der Aktion, als sie mit ihren Rädern am Haus ankommen, habe ich mich vorgestellt. „Ich heiße Hubertus, wie heißt Ihr?“ Mika und David waren erst befangen, dann unkompliziert. „Wir duzen uns, ok?“ Auch das ging. Und die 100 Jahre Altersunterschied? Welcher Unterschied?

Zufrieden fuhren sie nach getanem Werk und dem 50er von dannen. Und zufrieden ging ich wieder auf den Speicher, es gab noch viel zu kramen.

 

 

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