Montag, 25. Juni 2018

Kinderforschung: Bericht (8) - Forscher im Urwald




                                      




 In unregelmäßigen Abständen poste ich Texte aus meiner Dissertation, meiner "Kinderforschung".


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Es gehört viel dazu, um wirklich mitzubekommen, um genießen zu können, was Junge Menschen so sehr an sich haben und was sie ausstrahlen. Es muss ein großer Preis gezahlt werden: Bei sich selbst muss man aufhören, die Jungen Menschen zu beherrschen, sich FÜR sie verantwortlich zu fühlen, sie als irgendwie noch nicht vollwertige Menschen anzusehen. Das Anerkennen ihrer eigenen, selbständigen und fremd-fantastischen Lebensweise gehört dazu - es ist nicht so einfach.

Wie kommt es, dass ich Zugang zu dieser fremden Welt gefunden habe? Nun, erst einmal habe ich davon gelesen. Und dann habe ich Ausschau gehalten danach. Und ich hatte Achtung vor dieser verborgenen Welt. Ich habe aufgehört zu interpretieren (was es denn zu bedeuten hat, was Kinder tun) - ich habe in mir aufgenommen, geschaut und gestaunt. Die Krankheit des Interpretierens ist so verbreitet, vor allem bei den "Fachleuten" (Psychologie und Pädagogik). Und ich hatte Zeit (zwei Jahre Forschen). Und niemand machte mir Vorschriften, ich konnte alle Kraft auf das "Mitbekommen" konzentrieren. Und ich hatte die tiefen Erfahrungen des Encounterprogramms aus La Jolla in mir - das Horchen in mich, das Horchen zum anderen hin, das Zeithaben für die Stille.

Und ich hatte einen Satz von Carl Rogers, der mir riesigen Mut gemacht hat: Ich sagte ihm, dass ich mir wie ein Forscher früherer Jahrhunderte vorkomme, der in den Urwald geht, um Unentdecktes zu erforschen. Ihm gefiel dieses Bild. Und er sagte mir, dass man bei so einer Forschungsreise keinen falschen Schritt tun könne - wer will denn sagen, welcher der richtige ist? Es war doch noch niemand dort. In unbekanntes Land gehen nur tastende, erkundende Schritte - aber nie richtige oder falsche. Ich verstand: Ich konnte nichts "richtig" oder "falsch" machen. Ich kann nur mir selbst vertrauen und gehen. Und dies habe ich getan.

Und - um einem möglichen Einwand zu begegnen - VERANTWORTET waren alle meine Schritte, oh ja, da habe ich viel zugelegt. Verantwortet vor mir und vor den Menschen vor mir. Und auch vor der Notwendigkeit, die ich in mir spüre: Neue Wege für die Beziehungen zwischen Erwachsenen Menschen und Jungen Menschen zu finden - um zu überleben, um glücklich zu überleben. Wir, mit unserer Atombombe...


Fortsetzung folgt (unregelmäßig)


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