Mittwoch, 14. Februar 2018

Schwung und durch!





















"Da nimmst Du Schwung und fährst durch!" Beim Joggen auf 
Feldwegen kommen mir eine Dreijährige auf ihrem kleine Fahr-
rad und ihre Mutter auf ihrem großen Rad entgegen. Matsch-
stelle. Das Mädchen zögert,  doch ihre Mutter macht ihr Mut,
und es klappt auch. "Alles nicht  so einfach!" rufe ich, und weg
sind die beiden.

Ich bin oft vor eigentlich unschaffbaren Dingen, Hindernissen
aller Art, großen und kleinen. Verlorenes wiederfinden, doch
noch pünktlich sein, Amtsgeschäfte hinbekommen, Einkaufs-
sachen schaffen, Geo-Cache finden, Joggingzeit einrichten,
Kinderwünsche erfüllen. Ach, es gibt so vieles, was ganz und
gar unrealistisch ist: unrealistisch, dass es zu schaffen ist.

Atlantik. Ich bekomme mit, dass Felix, 10, es nicht aus der
Brandung schafft. Also hin, fass ihn am Handgelenk und
schwimm mit ihm Richtung Strand. Voll Kraft! Aber wir
kommen nicht voran. Sog. Wir kommen nicht voran!!! Gut,
dass er nichts davon mitkriegt. "Das schaffst Du", ich sauge
mich dran fest. Und wenn nicht? "Mach weiter!" Ich nehme
Schwung um Schwung, bis ich den Sand unter den Füßen
spüre.

In mir ist eine stille Kraft, die mich Schwung haben läßt.
Unverzagt sein. Zuversicht. Wird schon. Ohne dabei einen
Aufriss zu machen. "Und wenn es nicht klappt? Wenn das
Rad kippt? Die Bauchschmerzen nicht gehen? Das Buch
ausverkauft ist ? Das Überholen zu eng ist? Die Partnerin
geht?" Klar schwingt sowas in mir. Aber es bannt mich
nicht, lähmt mich nicht, nimmt mir nicht den Mut. "Da
nimmst Du Schwung und fährst durch!"

Ich will das nicht übertreiben. Es gelingt ja auch immer
wieder etwas nicht. Doch ein Punkt in Flensburg, doch
keine Kinokarte mehr, doch das Knie kaputt. Aber diese
Nichtgelinge nehmen mir nicht den Schwung, dieses sichere
Gefühl. Diese Basis, willkommen zu sein, hier im Leben.
Matsch, welcher Art auch immer: Wegmatsch, Meermatsch,
Papiermatsch, Herzmatsch...Ich nehme Schwung und fahr
drauf los, auf das Nein los, und immer wieder teilt sich
die Dornenhecke und gibt mir Zutritt ins Rosenland.







1 Kommentar:

  1. Ich bin nicht mehr überrascht doch dennoch immer wieder erstaunt über die scheinbar zufälligen koinzidenzen die sich in meinem leben ereignen … seit wochen bin ich auch mit einem anderen inneren bild unterwegs … war es früher das bild eines abgrund vor dem ich stehe .. im unwiderstehlichen verlangen auf die andere seite gelangen zu wollen … mir gewiss ich brauche nur jeweils einen schritt ins nichts zu wagen und eine brücke bildet sich unter meinen füssen … immer nur grad so viel dass ich getragen bin …. eine schwindelerregende angelegenheit für wahr …
    befinde ich mich nun … auf der anderen seite des abgrunds angelangt .. vor einer wand .. wie aus eis … erstarrtes fliessen .. hart .. zerklüftet .. milchigweiss und schemenhafte licht und schattenformen durchscheinen lassend … frostig .. kalt … magisch glitzernd und verlockend funkelnd … eine scheinbar undurchtrennbare grenze …
    Und dann dieses post .. deutlicher gehts ja kaum noch ;-) .. na denn ... schwung und durch !
    JA ………

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