Wir wohnten im Wald, bis ich zehn war. Zur Schule waren es etwa 45 Minuten zu Fuß, die erste Hälfte des Schulwegs ging durch den Wald. Ich war umgeben von Natur, Waldwesen. Mit meinen Geschwistern und meinen Freunden spielte ich dauernd im Wald. Er war unsere Welt, wir waren unter uns.
Der Wald – er findet statt. Alles dort ist voller Souveränität, und unsere Kinder-Souveränität war in direkter Resonanz. Bäume, Sträucher, Gräser, Blumen, Waldtiere haben keine pädagogische Haltung, sie erziehen nicht. Unsere Beziehungen Kind-Natur und Natur-Kind waren gleichwertig. Wenn wir uns beim Spielen weh taten, wenn ein Ast brach und wir runterfielen, dann gab es keinen Vorwurf und keine Schuldzuweisung. Kein »Kannst Du nicht aufpassen?!« – ein Baum macht so etwas nicht. Er nimmt mir nicht die Würde.

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