Montag, 4. Februar 2019

Niemand ist böse








"Sie sagen, ein Böser ist ebensoviel wert wie ein Guter. Beide sind Ebenbilder Gottes, sie gehen nur unterschiedliche Wege. Heißt das, jeder kann Böses tun, so wie er will? Also Kinder verprügeln oder jemanden umbringen? Und steht dann genauso gut da wie ein Arzt oder ein Feuerwehrmann?"

Ich werde mit seltsamen und skurilen Fragen auf meinen Vorträgen konfrontiert. Die Gleichwertigkeit ist nicht immer leicht zu verstehen, insbesondere, wenn es um Fragen der Moral, also um gut und böse geht. Es geht um das Durcheinander, dass gut und böse von gleichem Wert seien.

Ich unterscheide das, was jemand tut von dem, was jemand ist. Also die Tat vom Täter.

Was jemand ist: Alle handelnden Personen haben gleichen Wert. Alle sind, um im bekannten Bild zu bleiben, Ebenbilder Gottes. Es ist klar und liegt auf der Hand, dass es Personen gibt, die gleiche Wege gehen, und dass es Personen gibt, die unterschiedliche Wege gehen. Etwa: Zwei Ärzte gehen den gleichen Ärzte-Weg. Zwei Mörder gehen den gleichen Mörder-Weg. Die Wege der Ärzte (heilen) und der Mörder (schaden) sind dabei unterschiedlich. Aber es gilt, dass alle vier Personen, die zwei Ärzte und die zwei Mörder, gleichen Wert haben, weil sie alle Ebenbilder Gottes sind.

Was jemand tut: Dies zu bewerten kann sehr unterschiedlich ausfallen und "liegt im Auge des Betrachters", wie es so schön heißt. Ärzte finden ihr Tun gut. Auch Mörder finden ihr Tun gut. Selbstverständlich (!) finde ich das Morden (Tun des Mörders) völlig unakzeptabel. Ich vermeide, wenn ich über diese Thematik rede, dabei das Etikett/Wort/Urteil "böse". Weil "böse" einen unguten Mitklang hat..Weil "böse" in meinen Ohren nach einer Herabsetzung der Person klingt, weil "böse" die Ebenbildlichkeit Gottes eines jeden Menschen desavouiert. So wie "Unkraut" die Distel herabsetzt, die eine wertvolle Pflanze ist wie andere Pflanzn (nur nicht für Menschen). Es gibt viele solcher herabsetzender Begriffe. Einige werden in ihrer Herabsetzung bemerkt und vermieden, z.B. "Neger". Das Etikett "böse" wird aber ganz allgemein verwendet und in seiner Herabsetzungswucht nicht bemerkt.

Was also sagen, ohne missverstanden zu werden? Ein "Der findet es ok, wenn Kinder geschlagen werden, der findet es  sogar in Ordnung, wenn einer jemanden umbringt" will ich mir nicht an Land ziehen oder gar als Kommentar über meinen Vortrag im Internet finden. Andererseits will ich schon klarmachen, wie ich das sehe. Dass ich unterscheide: Tat von Person. Es ist nicht immer einfach und braucht oft mehrere Anläufe, bis ich gut und nachvollziehbar erklärt habe, was ich meine.

Neulich gelang das nicht bei allen. Die Teilnehmerin, die die Frage (oben) stellte, verließ zum Schluss den Vortrag und sagte, meine Position, einen Kinderprügler und Mörder gut zu finden, gehe ja überhaupt nicht. Hatte ich zwar nicht gesagt, hatte sie aber so verstanden. Die anderen Teilnehmer hatten mich aber verstanden. Wir unterhielten uns nach dem Vortrag noch im Stehen eine Weile darüber. Es war nicht so schön, jemanden mit einer solchen Einschätzung von meinem Vortrag und von mir ziehen zu lassen. Aber es tat gut, dass meine Überlegungen den anderen geholfen hatten, sich zurechtzufinden in ihrem Alltag: Dass sie nicht die Bösen sind, wenn sie ihren Kindern Leid zufügen (z.B. etwas wegnehmen), Weil niemand ein Böser ist, auch sie nicht.

Hinzu kommt, dass mich die Innenwelt eines "Bösen" interessiert. Wenn ich seine Motive einschätzen kann, hilft es mir, ihn nicht zu verurteilen, den anderen nicht mit einer Mörderfratze zu sehen, sondern eben als Ebenbild Gottes. Durch ein solchen Verstehen lasse ich mich nicht auf seine Seite ziehen. Was ich als eine böse Tat einstufe, kann niemand in meiner Gegenwart realisieren. Aber wenn ich interveniere, dann ohne Herabsetzung. Verständlich? Ich töte den Büffel wie der Indianer, mit Achtung.

Kommentare:

  1. Hallo, Hubertus!

    Zitat:
    "Was jemand tut: Dies zu bewerten kann sehr unterschiedlich ausfallen und "liegt im Auge des Betrachters", wie es so schön heißt."
    Zitat-Ende

    Dieses "liegt im Auge des Betrachters" hätte weiter oben (bei dem Text-Abschnitt "Was jemand ist:") auch gut bzw. noch Gedanken anregender gepasst, finde ich.

    Zitat:
    "Es ist nicht immer einfach und braucht oft mehrere Anläufe, bis ich gut und nachvollziehbar erklärt habe, was ich meine."
    Zitat-Ende

    Tja, Hubertus, bei mir wirst du vermutlich auch noch mehrere Anläufe brauchen, bis ich deinen häufigen Gebrauch des Begriffs "Ebenbild Gottes" nachvollziehen kann!

    Noch unklar ist mir auch, dass – passend zur Jahreszeit – in deinen Blog-Beiträgen noch kein Winterlandschaft-Foto (mit viel Schnee) angezeigt wurde.

    Gruß von HaJo51

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  2. Hallo HaJo51, die Übertragung meiner aktuellen Fotos auf meinen PC klappt leider nicht, das wird aber wieder.

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  3. Lieber Hubertus,

    Vielen lieben Dank für diesen tollen Text, der mich sofort berührt hat. Ich kann deine Verwendung des Begriffs "Ebenbildlichkeit Gottes" sehr gut nachvollziehen.

    Es gibt kein "sinnloses" Handeln. Vielleicht sieht dies von außen so aus, doch nur weil ich es nicht nachvollziehen und nicht tolerieren kann, bedeutet dies nicht, dass es für die handelnde Person keinen Sinn ergibt.
    Ich kann wütend, hasserfüllt und verurteilend sein und doch spricht es der Person nichts ab von ihrer Würde und ihrer Gottesebenbildlichkeit. Dafür verbreite ich ziemlich schlechte Schwingungen und schade mir letztlich nur selbst.

    Ich wünsche mir in vielen dieser "der ist böse"-Momenten die kleine alte Holzschachtel meiner Oma mit den vielen verschiedenen skurrilen Brillen herbei, durch die die Welt so herrlich unterschiedlich aussieht.

    Liebste Grüße aus dem schönen Gleidingen,
    Deine Steffi

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  4. danke steffi für dieses mir so wohltuende bild der kleinen alten holzschachtel deiner oma ... ja so ist es auch für mich ... ja .. wir wählen brillenfassung und glas durch die wir die welt und unser sein darin sehen .. von dunkelstem schweisser- bis zu klarstem fensterglas ... alles ist möglich ... auch die rosarote brille ;-) alles liebe christa

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  5. Liebe Steffi, für mich ist es so, dass ich diese Ebenbildlichkeit für mich wirklich ernst nehme, und gelegentlich mache ich mir das bewusst. Dann richtets mich auf und eine große Verlässlichkeit zieht in mir ein. Es ist dann ein Einfach-Sehr da. Hier habe ich meine mystische Seite, ein großes wunderschönes Land. Liebste Grüße zurück! Hubertus

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