Dass Konflikte sich wie von selbst auflösen, kennt jeder aus der Erwachsenenwelt, wenn grundlegende Achtung und gleiche Augenhöhe im Spiel sind. Wie zum Beispiel in einer guten Partnerschaft. Wenn es Samstag Nacht entweder ins Kino oder auf die Party gehen soll, und er ins Kino, sie aber auf die Party will. Klares Entweder – Oder.
Wie geht so ein Konflikt aus? Arbeiten die beiden am Konflikt? Das wäre viel zu hoch gegriffen. Sie sagen sich zwei- oder dreimal ihren Wunsch, dann ist der Konflikt auch schon vorbei, und sie gehen zusammen ins Kino oder zusammen auf die Party. Sie spüren beide, wessen Wunsch wichtiger ist. Ihr Gefühl füreinander lässt sie diese einfache Lösung finden: »Wenn es Dir wichtiger ist als mir, dann gehe ich mit Dir Deinen Weg.«
So kompliziert wird nicht geredet, es heißt nur »Okay, ich komme mit ins Kino« oder »Okay, ich komme mit zur Party«. Genau diese empathische Konfliktlösung erlebe ich mit meinen Kindern.
»Papa, kauf uns ein Eis.« »Okay, zwei Eisbällchen.« »Nein drei.« »Es bleibt bei zweien.« »Aber es ist doch so schönes Wetter!« »Was hat das denn damit zu tun?« »Bitte!« »Heute nicht.« »Wieso?« Der Sommereisfrieden beginnt zu schmelzen, und zweieinhalb Eisbällchen als Kompromiss gibt es nicht. Ob es jetzt überhaupt noch ein Eis gibt? Auf ihr »Wieso?« folgt mein »Darum!«. Jeder in der Eisdiele weiß jetzt, dass das nicht gut endet, salziges Träneneis?
Dann aber: »Na gut, dann zwei«, sagen die Kinder ruhig – oder ich sage locker: »Na gut, dann drei.« Konflikt? Welcher Konflikt? Aus und vorbei, das Eis schmeckt uns allen.
