Montag, 21. Februar 2022

Abgrenzung

 


Es kommen immer mal wieder irritierte Anfragen an mich. Dann kläre ich die Missverständnisse. Jetzt will ich auf unsere Website einen Abgrenzungstext zu den drei größten Problemen stellen. Hier ist er schon mal vorab.

 

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Abgrenzung

Wer sich zum ersten Mal mit der Amication beschäftigt, kann in Assoziationsfelder geraten, die befremdlich, irritierend oder auch abstoßend sind. Drei solcher Missverständnisse sollen hier geklärt werden. Es geht um die Vermutungen, Amication hätte etwas mit Vernachlässigung von Kindern, mit Kinderrevolution und mit Pädophilie zu tun. 

 

Kinder werden nicht vernachlässigt.

In unseren Texten ist immer wieder die Rede davon, dass wir Kinder „nicht erziehen“. Wer einen solchen Satz liest, kann an Vernachlässigung und antiautoritären Umgang denken.

Doch unser „nicht erziehen“ bedeutet nicht, dass die Kinder sich selbst überlassen werden oder dass die Kinder tun können, was sie wollen. Wir haben mit antiautoritären Positionen nichts zu tun. Wie alle Eltern sind wir für unsere Kinder da und kümmern uns um sie, und ein Nein ist ein Nein. 

Bei dem „nicht erziehen“ der Amication geht es um eine spezifische, hoch ausdifferenzierte Beziehungsform für das Zusammenleben mit Kindern, fachlich gesprochen um Postpädagogik und die Rehumanisierung der Pädagogik. Es geht in der Amication um eine nicht-erzieherische Haltung. Diese amicative Haltung begründet eine neuartige Verantwortung, die Erwachsene übernehmen. 

Was das bedeutet, ist in den Texten, Wort- und Videobeiträgen der Website ausführlich in Theorie und Praxis dargestellt. 

 

Kinderrevolution wird nicht propagiert.

Der Gedanke politischer Emanzipation junger Menschen tauchte in den 1970er Jahren in der US-Literatur auf, und es entstand das „Children's Rights Movement“. Die dort geforderten Rechte für junge Mitbürger fußen auf den Gedanken von Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung. 

Wir sahen damals die Parallele der von uns propagierten erziehungs-missionsfreien Eltern-Kind-Beziehung zum Children's Rights Movement. Unser Beziehungsaspekt wurde dort in eine politische Perspektive utopisch weitergedacht. 

1980 wurde dann dementsprechend das Deutsche Kindermanifest von uns proklamiert, in dem eine Ausgestaltung der Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und politischen Emanzipation des Kindes im Sinne vollwertiger Bürger- und Menschenrechte vorgenommen wird. 

In einer Präambel und 22 Artikeln werden Rechte aufgeführt, die Kindern zustehen sollten. Diese Rechte sind nicht hier und jetzt zu realisieren, und dies wird auch nicht gefordert. Die Rechte des Deutschen Kindermanifests können erst dann verwirklicht werden, wenn Kinder als gleichberechtigte Mitbürger angesehen werden. 

Im Deutschen Kindermanifest wird die Gleichberechtigung des Kindes als weite Perspektive gesehen. Es wird von einer Position der Zukunft her formuliert, was Kindern dann, wenn sie gleichberechtigt sein sollten, an Rechten zustehen würde. 

Doch einigen Rechten könnte man auch heute schon zustimmen. Zum Beispiel dem Recht des Artikels 14: „Kinder haben das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Es gibt keine Züchtigung.“ 

Amication propagiert mit dem Deutschen Kindermanifest keine Kinderrevolution, sondern es wird dazu beigetragen, über die rechtliche Position von Kindern nachzudenken. Dabei muss jedes Recht des Deutschen Kindermanifests – wenn es realisiert werden soll – vor Ausnutzung und Missbrauch geschützt werden. 

In diesem Zusammenhang wird an Artikel 9 Anstoß genommen: "Kinder haben das Recht, gegen Entgelt zu arbeiten." Oder an Artikel 18: „Kinder haben das Recht, ihr Sexualleben selbst zu bestimmen und Nachkommen zu zeugen.“ Auch diese Artikel sind aus der Sicht von Kindern als gleichberechtigten Mitbürgern her formuliert. Damit das Recht auf Arbeit und auf Sexualität keine destruktiven Tore für Erwachsene öffnen, sind sie gegen Ausnutzen und Missbrauch wirkungsvoll abzusichern. 

Ausführlich werden Hintergrund und Sinn des Deutschen Kindermanifests in unserer Schrift „Kinder in der Demokratie“ dargestellt (Website: Medien/Literatur). Auch Einwände und Kritik werden aufgegriffen und beantwortet. 

 

Verbindung zu Pädophilie besteht nicht. 

Als Eltern lieben wir unsere Kinder, und dabei gibt es keine Grenzüberschreitung. Alles, was in Sachen Pädophilie und sexuellem Missbrauch daherkommt, wird von uns nicht geduldet. 

Heute gibt es eine große Sensibilität hinsichtlich Kindesmissbrauch. Diese Sensibilität ist wichtig und richtig. Der Ausdruck „Freundschaft mit Kindern“ kann da irritieren. Was ist damit gemeint und wie kam es dazu? 

Vor über vierzig Jahren, 1978, im Jahr der Vereinsgründung, wollten wir unsere nicht-erzieherische Grundposition mit einem positiven Begriff versehen und suchten einen dazu passenden Namen. Den damals viel diskutierten Begriff „Antipädagogik“ fanden wir zu plakativ, nicht kommunikativ und zu verletzend für pädagogisch eingestellte Menschen. 

Die Werte Achtung, Respekt und Gleichwertigkeit charakterisieren unser Konzept der Eltern-Kind-Beziehung. Achtung, Respekt und Gleichwertigkeit sind auch die Grundlage jeder Freundschaft. Wegen dieser Werteübereinstimmung hielten wir es damals für sinnvoll, den positiven und konstruktiven Begriff „Freundschaft“ in unsere Texte und unseren Vereinsnamen einzubeziehen. 

Da wir an der Verbesserung der Eltern-Kind-Beziehungen arbeiten wollten, nannten wir den Verein dann „Freundschaft mit Kindern – Förderkreis e.V.“. Unsere frühen Texte bekamen dementsprechend das Kennwort und die Überschrift „Freundschaft mit Kindern“.


 

 

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